Bin ich wertvoll und wenn ja wieviel?

Copyright by Dietmar Temps

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Ist es nicht verrückt, dass uns die Probleme, die wir mit uns selbst haben, im täglichen Leben immer wieder begegnen? Kann man nicht ein Problem haben und fast nie damit konfrontiert werden? Es ist als würde einem das Leben höhnisch ins Gesicht lachen und sagen: “Hast Du wirklich geglaubt, dass Du den Schwanz einziehen kannst und drumrum kommst, Dich damit auseinanderzusetzen? Hast Du gedacht, ich lasse zu, dass Du nicht gezwungen wirst, eine Lösung zu finden”?

Gestern wurde ich  mit dem Thema Selbstwert konfrontiert. Und das einerseits so subtil, dass ich es erst heute richtig realisiert habe, andererseits wurde es mir so offensichtlich vor die Füße geklatscht, dass ich im Nachhinein einfach hätte darüber fallen müssen! Ich fiel nicht, noch nicht. Erst heute, ein paar Stunden später stolpere ich hilflos durch die Welt und frage mich, wie ich dieses verdammte Problem lösen soll. Wie ich mich damit fühlen soll, weil der Spiegel, der mir gesetzt wurde, ein völlig neues Aussehen hatte. Ich wurde schon oft mit dem Thema Selbstwert, Wertlosigkeit konfrontiert. Jeder kennt das, wenn man sich fragt: Bin ich wertvoll und wenn ja wieviel?

Ich arbeite wie ihr wisst als PR-Beraterin und habe letztes Jahr eine eigene Agentur gegründet. Seit ich mich für diesen Schritt entschlossen habe, lief alles ganz leicht – ich schaffte alles was ich wollte. Und natürlich stellt man sich Fragen wie: “Mit welchen Kunden möchte ich arbeiten, wie sollen sie sein, wie möchte ich mit ihnen arbeiten und auch: Wieviel Wert hat meine Arbeit, wieviel verlagen ich für meine Arbeit”? Nun, ich stellte fest, dass es mir wichtig ist, Spaß an meiner Arbeit zu haben und ein vertrauensvolles, herzliches Verhältnis zu meinen Kunden zu pflegen. Daran mangelt es aus meiner Sicht in dieser Welt an allen Ecken und Enden und dies ist neben meiner Erfahrung eine meiner großen Stärken.

Worum ging es also gestern? Nun ich habe einen Kunden, mit dem ich auch ein sehr herzliches Verhältnis pflege, mit dem die Arbeit Spaß macht und der mir immer wieder sagt, wie glücklich er mit meiner Arbeit ist. Mir ist es wichtig, dass er schnell bekommt, was er braucht. So saß ich am gestrigen Samstag an einem Projekt und arbeitete mehrere Stunden für ihn, um das bestmögliche Ergebnis zu erzielen mit dem er zufrieden ist. Nach mehr als 6 Stunden hatten wir ein tolles Ergebnis. Als wir telefonierten drückte er seine Zufriedenheit aus. Dann kam ein Satz, der mich (erst heute) völlig umhaute. Er sagte: “Ja, aber bezahlen kann ich Dich nicht dafür, das geht nicht. Das müssen wir anders verrechnen, z.B. indem Du Stunden bei mir nimmst.” Ich weiß nicht, warum, aber ich lachte leise. Ich weiß inzwischen, dass das eine Eigenart von mir ist, um mein Gegenüber zu beschwichtigen und ich das auch mache, wenn ich perplex bin und mir schlichtweg die Worte fehlen.

Wie ich so heute mit Cappy durch die Natur streife, dachte ich über diesen Satz nach und mir wurde die Bedeutung dieses Satzes erst da richtig bewusst. Ich fragte mich, warum ich zum Henker nicht etwas gesagt habe. Ich möchte für meine Arbeit bezahlt werden. Punkt. Da gibt es keine Diskussion!
Ich bin überzeugt, dass es hier um ein tieferes Thema geht: Um Selbstwert. Selbstachtung. Die Frage: Wieviel bin ich mir selbst eigentlich “wert”? Und was tue ich um für meinen Wert einzustehen? Es ist eine Situation, die mich lehren soll, meinen Vorgarten zu schützen und Grenzen aufzuzeigen.

Auch wenn ich nicht weiß wie, aber ich muss ihm sagen, dass es so nicht geht. Es geht um mich. Um Selbstachtung. Ich möchte mich nie mehr kleinhalten (lassen). Ich wurde als Kind zu oft klein gehalten. Jetzt möchte ich mal mutig sein.

Aber es ist schwer mutig zu sein. Schwer, seinen Vorgarten in jeder Situation zu schützen.

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