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Über Gewalt an Kindern redet man nicht

Copyright by Brandon Warren/flickr.com

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Gestern kam auf Sat1 ein bewegender Film über häusliche Gewalt. Die Protagonistin wurde von ihrem Mann isoliert, gedemütigt, geschlagen und sollte am Ende um ihr Leben bangen. Ich habe mir diesen Film angesehen, um mich mit der Gewalt zu konfrontieren, die ich nur zu gut kenne, die ich aber so weit verdränge, dass es scheint, als sei sie nie dagewesen. Dieser Film brachte Erinnerungen zurück. Und er erzeugte sowohl Mitgefühl und Verständnis als auch Ärger und Unverständnis. Denn eines verstehe ich nicht: Über Gewalt an Frauen wird gesprochen – über Gewalt an Kindern nicht. Warum vergessen wir die schwächsten unter uns? Warum schützen wir nicht die unschuldigen Seelen, die unter der Gewalt, die ihnen angetan wurde, ihr ganzes Leben lang leiden werden?

Ist es, weil Kinder nicht darüber reden können?

Ist es, weil Kinder keine Stimme mehr haben und wir ihr keine neue geben?

Oder ist es so furchtbar, dass wir Angst davor haben, uns dieser Vergewaltigung von Kinderseelen zu stellen?

Gewalt in Beziehungen, Gewalt an Frauen ist schrecklich und es ist gut, dass ihr ein Rahmen gegeben wird, damit wir erkennen, welche furchtbaren Dinge hinter geschlossenen Türen geschehen.

Aber was ist, wenn beide Elternteile Gewalt an ihrem Kind üben? Welche Chance hat dann ein Kind, zu gehen? Welche Chance hat es, sich zu wehren? Welche Chance hat es, ein starker, selbstbewusster Mensch zu werden?

Keine.

Ein Kind kann nichts, aber auch gar nichts tun.

 

“Ich lernte, dass Hilflosigkeit ein stetiger Begleiter meines jungen Lebens wurde. Dass es normal ist, dass die Haut brennt, von all den Schlägen. Ich lernte, dass es nichts bringt, wenn ich weine und dass ich mit jedem mal danach noch einsamer bin als zuvor. Ich lernte, dass Vertrauen etwas schlechtes ist, ich lernte, das Vertrauen Beschimpfung und Abwertung bedeutet. Ich weiß nicht, wie sich eine Umarmung von meiner Mutter anfühlt. Ich weiß nicht, wie es ist, Rückhalt zu haben. Ich lernte, dass Schläge gar nicht so sehr weh tun, dass Worte schärfer sind als jede Härte der Faust.
Ich lernte mein Leben auf wackligen Stelzen, mit einem Fundament voller Stolpersteine und Risse. Ich lernte, nicht ich zu sein. Denn ich bin nicht würdig, zu leben und glücklich zu sein. Niemand hörte meine Schreie, mein Weinen. Nachbarn waren begeistert von den Eltern, die ich nicht Mama und Papa nennen konnte. Irgendwann nannte ich sie beim Vornamen. Und irgendwann redete ich gar nicht mehr. Mit 12 Jahren wollte ich tot sein und wiedergeboren werden – als Kind mit liebenden Eltern.”

Mache die Augen auf. Wir müssen unsere Kinder beschützen. Ein Kind ist ganz allein. Es hat keine Hilfe. Es kann keine Hilfe holen. Es kann nicht darüber reden, denn für das Kind sind Schläge normal.

Stell Dir vor, Du bist 10 Jahre alt und Gewalt gehört zum Alltag wie essen, trinken, schlafen. Stell Dir vor, Du bist 15 Jahre alt und jeden Samstag holst Du Dir Deine Portion Schläge ab. Stell Dir vor, Dein starker schwerer Vater sitzt auf Dir, Dein Vater, den Du liebst, und er schlägt Deinen Kopf auf den Marmorboden und Du denkst, Du musst sterben.

Stell Dir vor, Du bist 45. Und fügst Dir selbst Gewalt zu, indem Du zu viel isst, trinkst, arbeitest, Dir nichts erlaubst, nicht gut für Dich sorgst, Dich selbst demütigst. Dich selbst verachtest.

Sieh hin. Wir können nicht länger wegsehen.

Mehr Veränderung in 2015: Finding the Happiness im neuen Gewand

Copyright by Daniel Wehner/flickr.com

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Das neue Jahr hat begonnen – schon mal viel schöner als die letzten Jahre, aber irgendwie habe ich noch gar keine Meinung zum Jahr 2015. Es gibt keine Vorsätze, nur Dinge, die ich mir für mein Leben, für mein neues Jahr wünsche.

Veränderung. Am Besten so viel wie möglich. Ich möchte ein stürmisches, wildes, leidenschaftliches Jahr. Schluss mit Langeweile und Stillstand.

Mehr Entscheidungen treffen. Egal ob sie sich am Ende als gut oder schlecht herausstellen.

Meinen Leidenschaften folgen. Auch wenn ich noch nicht weiß, ob das der Weg ist, der für mich vorherbestimmt ist.

Mein  Business weiter vorantreiben.  Mich nicht mehr zurücknehmen.

Mehr was fürs Herz. Alles was berührt, bewegt, Küssen bis die Lippen taub werden und ganz viel Nähe und gute Gespräche

Einen großen und lange überdachten Schritt habe ich nun vollendet: Ich habe meinen Blog von Blogger umziehen lassen, ihm eine neue Web-Adresse und ein neues Gewand gegeben. In den letzten Tagen habe ich ganz viel Zeit und Herzblut in dieses Projekt gesteckt und bin überglücklich mit dem Ergebnis. Ich hoffe, euch gefällt der neue Blog auch! Es war mir wichtig, dies zum neuen Jahr zu realisieren.

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Gegen den Sturm…

Copyright by Hartwig HKD

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Das Schiff schwankt gefährlich als es von einer Welle erfasst wird. Auf dem großen weiten Meer wirkt das nach außen stabil wirkende Boot plötzlich wie eine Nussschale, für die ein Windhauch ausreicht, um sie untergehen zu lassen. Wenn die See still ist und die Sonne scheint, wippt die kleine Nussschale fröhlich auf dem Wasser auf und ab. Sie spielt mit den Sonnenglitzern, die um es herum tanzen. Dann ist auch die Mannschaft an Bord entspannt und verträumt sich selig am Horizont.
Noch eine Welle. Das edle Holz krächzt unter der Last der Wassermassen. Die Fassade reißt: Erstes Wasser dringt durch Holzpaneele hindurch. Es weicht ins Schiffinnere, auf der Suche nach Wärme, die es löschen kann. Hektisch umherirrend und verzweifelt brüllend bildet die Mannschaft ein Knäuel aus Panik. Bling greifen sie nach Tauen, greifen sie nach Sicherheit. In einer Ecke des Schiffs sitzt ein kleines Kind. Es weint still, ihre Tränen konkurrieren mit den Wassertropfen, die auf es einprasseln. Die Hände vor die Augen geschlagen, der kleine Körper vibriert im Lärm aus Angst. Zerbrechlich wirkt das kleine Kind wie es dort kauert. Jetzt hat es Angst vor dem Wasser, dabei hat es zuvor keine Angst gehabt. Es war sehr mutig gewesen, ja, es war sogar mit Delfinen geschwommen.
Die großen Menschen bemerken das Kind nicht. In ihrer Panik sind sie blind. Auch sie haben Angst, ersticken sie jedoch im Keim mit aufgeregtem Tun. Vielleicht bringt die nächste Welle die Mauer zum Einreißen. Das Meer wütet als würde die Welt untergehen. War es das jetzt gewesen? Können sie diesem Sturm noch einmal trotzen? Die Männer schlittern auf dem nassen Deck, ihre Hände greifen blind nach Halt. Dieses Boot ist alles was sie haben. Geht es unter, gehen auch sie unter. Sie wissen das und stemmen sich mit aller Kraft gegen die nächste Welle.
Nach Stunden des Kampfes gegen die Wassermassen blicken die Augen der Männer müde aus ihren Höhlen.

Möge doch die Sonne durch die Wolken brechen und das Meer beruhigen…

Jeden Morgen ein anderer Kaffee: Von Wahrheiten und Führungsqualitäten

Copyright by Thorsten Becker/flickr.com

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Eigentlich finde ich mich inzwischen ganz gut so wie ich bin. Wenn ich jetzt noch das eigentlich streichen kann, dann bin ich am Ziel. Am Ziel, mich selbst zu mögen und anzunehmen wie ich bin. Vor zwei Jahren wußte ich nicht mehr, wer ich bin. Ich war wie eine Seifenblase im Wind, die jeden Moment drohte, von einer Windböe erwischt und zerplatzt zu werden. So wie ich funktioniert hatte, funktionierte es nicht mehr. Dann versuchte ich lange anders zu sein, weil ich dachte, das sei richtig. Ich orientierte mich an Büchern, an Lehrern, an allem nur nicht an mir selbst.
Heute ist mir klar: Egal wie sehr ich will – ich KANN nicht anders sein als ich bin. Ich kann mich nicht verbiegen, auch nicht aus einem eigentlich positiven Beweggrund, denn schon nach kurzer Zeit bin ich wie ein Gummiband überdehnt und springe in meine ursprüngliche Haltung zurück.

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Nachtmalerei: Deiner Härte fehlt es an Tiefe

Copyright by Alata/flickr.com

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Ich werfe Dich auf Papier. Dann zerknülle ich Dich und werfe Dich in die Ecke. In die dunkelste, dort hinter der Tür, hinter die Abstellsachen. Wo ich Dich erstmal nicht wiederfinde, solange ich dort nicht saubermache. Und wenn, säubere ich Dich mit. Dann entknülle ich das Papier, streiche es glatt und wasche Dir das Gesicht. Ich wasche es rein, rein von dem Schmutz Deiner miesen Worte. Rein von Deiner Unliebe, Deiner Negativität, Deiner Egalität. Vielleicht nehme ich Farbe dazu, ganz viel dicke Farbmasse und verteile sie mit den Händen auf Dir. Alles durcheinander, Farbe um Farbe matsche ich in Dir. Ich mache Deine Welt bunt, aber sie sieht immer noch traurig aus. Und auch von innen strahlt sie Härte aus, der Härte fehlt es an Tiefe. Und so nehme ich Lehm vom Boden und baue Dir Krater, damit endlich Tiefe in Dir ist. Vielleicht pflücke ich ein paar Blüten, die wie Seerosen auf Deiner Farbe gleiten. All das tue ich, nur um ein Hauch von Leben auf Dein Papier zu bringen.

Ich hab Dich nie verstanden – Mama.
Ich habe aufgehört, Dich verstehen zu wollen – Mama.
Ich hab mich nach Dir gesehnt – Mama
Ich habe aufgehört, Deine Kälte zu ertragen – Mama
Ich hab still gelitten – Mama
Ich habe aufgehört, laut mit Dir zu streiten  – Mama
Ich hab Dich gebraucht – Mama
Ich habe aufgehört, um Deine Aufmerksamkeit zu kämpfen – Mama
Ich hab mich lieb – Mama
Ich habe aufgehört, mich zu hassen nur weil Du mich hasst – Mama

Die Tür aufstoßen: Ergebnisse eines Schreib-Workshops

Copyright by gerardagudo/flickr.com

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Gegensätze

Du bist nicht perfekt. Und eben diese Unperfektheit macht Dich einzigartig unter allen Steinen. Es gibt da eine Seite an Dir, die so ist, wie ein Stein sein sollte: Perfekt geschliffen, mit weichen Rundungen fügt sie sich in meine Hand. Sie schmiegt sich hinein in ihre Höhle und niemand würde Dich bemerken – wenn, ja, wenn da nicht die andere Seite wär.
Die kantige, scharfe Seite, die ihre Spitzen in mein weiches Fleisch haut. Die sagt: Hey, ich bin hier! Nimm mich wahr! Sieh mich gefälligst an, denn ich bin nicht selbstverständlich.

Diese Seite sieht gebrochen aus. Als wäre sie einst mit Gewalt ein Stück ihrer selbst beraubt worden. Sie ist nicht einfach in der Mitte gebrochen, sondern schief und uneben. Diese Seite ist die gelebte Seite. Die Seite, in der die Emotionen gelebt wurden und immer noch leben. Freud, Leid, Schmerz, das Auseinandergerissenwerden einer Liebe zum Beispiel, wo beide nicht mehr vollkommen sind, wo Träume und Hoffnungen geplatzt sind. Was wäre der Stein ohne diese Bruchstelle? Und was wäre er ohne seine weiche Seite, ohne die der Gegensatz zur anderen gar nicht auffalen würde?

Ich habe Dich gewählt, weil Du wie das Meer bist. Blau-türkis kommst Du daher. Algengrün und Himmelsblau. Deine verschiedenen Maserungen erzählen von einem langen Leben.Die Risse in ihr von Unwetter, die zu Brüchen führten.

Du hattest kein langweiliges Sein. Nein, DU nicht.

Paralleluniversum

Du bist eine Ahnung. Eine Ahnung eines Gefühls, das ich vor Jahren ausgeklammert habe.Verschwunden aus meinem Denken, nur noch übrig als Schatten in meinem Blickfeld, das grau geworden ist.
Dann stehst Du da. Und alle längst verschütteten Vulkane brechen durch Härte, durch Schichten aus Herzensleere, brechen durch bis sie fast die Oberfläche erreichen.
Eine Lava aus Hitze kribbelt mir über die Handrücken, über die Arme, in den Brustkorb, schütten sich aus im Bauch und fließen die Beine hinab bis in die Fußsohlen. Reißen die Füße vom Boden wie Bäume aus ihren Wurzeln.
Ich. atemlos. Zittrig bewegen sich meine Lippen, die sich an die Deinen wünschen.
Mein Blick gleitet in Deine Augen, zählt die dunklen Wimpern, die mit Deiner Augenfarbe verschmilzen.
Ich entlade mich in Deiner Tiefe.

Du erzählst. Ich höre kaum zu. Du lachst. Ich weiß nicht mehr worüber. Dein Lachen. Dein Lachen.

Alles um uns – der andere, der neben Dir steht – nehme ich nur flüchtig wahr. Als wäre ich in einem Paralleluniversum, in das sich mein Bewusstsein zurückgezogen hat.

Ich atme. Es ginge auch ohne zu atmen. Jetzt.

Ich stehe. Wie ein Schulkind aufgeregt, ängstlich, aufgelöst in ihre einzelnen, kleinsten Bestandteile. Deine Lebendigkeit zerrt an meiner Fassade. Doch sie fällt nicht.

Ich gehe. Ich bin nicht mehr dieselbe.

Wie Du

Ich bin wie Du. Ich will das nicht sehen genauso wie Du das nicht sehen willst.
Wir haben uns lange nicht getroffen und je länger die Zeit, desto ähnlicher werde ich Dir.

Ich bin wütend. Enttäuscht. Verletzt. Von all den Dingen, die Du falsch gemacht hast ist das Nichtstun das Schlimmste. Deine Kälte erfriert mich.

Vielleicht verglühe ich Dich mit meiner Wärme.
Vielleicht bin ich in Wahrheit Dein Gegenstück.

Ich bin wie Du – meine Art zu reden, zu lachen, auszusehen – wenn ich in den Spiegel sehe, sehe ich Dich. Nein nein, das kann nicht sein. Doch, ja! DAS ist die Wahrheit!

Die Wahrheit ist das was uns fehlte. Wie der Klebstoff der zwei Teile zusammenhält, sind wir auseinandergefallen. Wortlos. Zeitlos.

Ich liebe den Moment, als der Gedanke in mein Bewusstsein drang, dass ich keine Angst haben muss. Mich nicht länger klein machen muss. Nicht an mir zweifeln muss.

Denn ich bin wie Du. Stark wie ein Löwe, geschmeidig wie eine Katze und stolz wie ein Pfau.

Danke. Mama.

Happy Birthday! Warum es schön ist, jetzt 30 zu sein

Copyright by JohnED76/flickr.com

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Eigentlich ein Tag wie jeder andere – ein weiterer Geburtstag, ja – schon der 30. inzwischen in meinem Leben. Eigentlich nichts besonderes möchte man meinen. Und doch ist dieses Jahr alles anders.
Nicht nur, dass mir der Vollmond den Weg in mein neues Lebensjahr leuchtet. Oder dass ich zum ersten Mal seit Jahren eine Geburtstagstorte habe. Oder dass mich eine Freundin aus der Ferne besucht, nur um an diesem Tag bei mir zu sein. Irgendwie ist dieses Jahr alles anders. Ich verbringe den Tag meiner Geburt mit wunderbaren Menschen. Was ein toller Gedanke. Nach all den Irrungen und Wirrungen der letzten zwei Jahre ist dies, als würde ich nun ankommen können. Es ist eine wichtige Etappe, meine Geburt und mein Dasein zu feiern. Dies habe ich nie wirklich ernst genommen. Denn es wurde – außer als ich ganz klein war – auch von meinem Umfeld nicht ernst genommen.

Happy Birthday Tanja! Soeben sprang die Uhr über die 00:00 Marke. Alles Gute meine Kleine. Ich hab Dich lieb. Ich wünsche Dir Glück und Zufriedenheit, Frieden und Harmonie, Erfolg und natürlich – Liebe wohin Du auch schaust.

Nun bin ich tatsächlich 30 Jahre jung. Ein bisschen habe ich  mich ja davor gefürchtet. Nicht mehr zu den “jungen” 20ern zu gehören. Mit 30 noch nicht verheiratet zu sein, noch nicht mehrere Kinder zu haben… irgendwie dachte ich, das müsste doch anders sein. Ich falle aus dem Schema raus. Na und, so richtig pass ich da eh nicht rein. Und wie vorhin eine Freundin sagte – 30 zu sein ist ziemlich geil. Und es soll immer besser werden. Huch, jetzt bekomme ich das gerade nochmal gesagt. Na, dann muss es stimmen *g*

Warum haben wir nur oft so ein blödes Gefühl, wenn wir ein Jahr älter werden? Ich habe in den letzten Tagen oft darüber nachgedacht. Ich bin zu der Erkenntnis gekommen, dass es uns Angst macht, wieder ein Jahr Lebenszeit verloren/rumbekommen zu haben. Eventuell sind wir in einer Phase, die schwierig ist, die uns keinen Spaß macht und wir von unserer Vorstellung, wie wir uns unser Leben eigentlich gerne leben möchten, ganz weit weg sind. Und dann gehen die Jahre ins Land und wir treten immer noch auf der Stelle. Ein scheiß Gefühl. Auch wird uns bewusst, dass das Leben genauso wenig aufzuhalten ist wie die Gezeiten, die Jahreszeiten, die Ab- und Zunahme des Mondes oder dass morgens die Sonne auf und abends untergeht. Auf viele Ereignisse auf dieser Welt haben wir keinen Einfluss. Wir können nicht aufhalten, das wir älter werden. Sondern nur – WIE wir älter werden. Wieviel Zeit uns noch bleibt? Keine Ahnung, wenn ich das wüßte, würde ich nicht hier sitzen, sondern wäre wahrscheinlich Präsident oder Nobelpreisträger oder der liebe Gott persönlich.
Die 30 ist noch einmal eine ganz besondere Zahl. Mit 20 gehen wir aus der Schule und ins Leben, ins Studium, in den ersten Job. Mit 30 haben wir das erste Drittel unseres Lebens hinter uns. Wir fangen an, uns zu satteln, zur Ruhe zu kommen, Familie zu gründen. So war es früher. Heute ist es für viele schon eine Zeit des Umbruchs. Denn Burnout und Unzufriedenheit über den Job oder Krankheiten ereilen meine Generation inzwischen viel früher. Oft reißen sie uns schon mit Ende 20, Anfang 30 auf die Knie, bringen uns zu Fall und wir fangen “so jung” nochmal neu an, über unser “Warum” in der Welt nachzudenken. Warum bin ich auf dieser Welt, was ist meine Aufgabe, was kann ich in die Welt tragen? Die Midlife-Crisis schiebt sich zeitlich immer mehr nach vorne. Ja – nicht lachen, so nehme ich das wahr.
Die 30er sind also nicht nur ein Ende für ein unglückliches Leben im Hamsterrad, sondern gleichzeitig ein Neubeginn, das Tor zu einem Leben, das wir gerne leben.

Letztlich ist es doch so. Mit 30

  • kann ich ganz ungeniert spießig sein
  • kann ich endlich die interessanten älteren Männer auf Ü30-Partys treffen
  • kann ich über meine Macken hinwegsehen und mich toll finden so wie ich bin
  • kann ich meine emotionalen Ausfälle auf die beginnende Midlife-Crisis schieben
  • kann ich genauso gut (wenn nicht besser) aussehen wie mit Mitte 20
  • kann sich mein Alter endlich meinem Intellekt anpassen ;-)
  • kann ich mir endlich Skin Formula einverleiben, um den Falten – die jetzt kommen würden – erst gar keine Chance zu geben
  • muss ich keinem Schönheitsideal aus den Klatschblättern mehr entsprechen – nur meinem eigenen 
  • darf ich mich heute unmenschlich gehen lassen, um morgen mit frisch lackierten Fingernägeln und knalligem Lippenstift aufzufahren – hallo Gegensätze!
  • kann ich aufhören, mich von Chefs rumschubsen zu lassen und 
  • kann ich aufhören, das kleine, nette, brave Mädchen zu sein, sondern a gstandene Frau, die i bin!

und das wichtigste

  • darf ich mir auch mal einen jüngeren Mann angeln, nur so zum Spaß ;-)) 

Wenn das nicht mal tolle Gründe sind, warum es geil ist, endlich 30 zu sein! Ich freue mich schon, viele von euch heute abend zu sehen und euch in meine Arme zu schließen!

Happy Birthday!!!

Und wo willst Du in einem Jahr stehen?

Copyright by Vicente Villamón/flickr.com

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Noch genau 8 Stunden bis zum neuen Jahr. Mein Herz pocht aufgeregt. “Es ist doch nur eine andere Jahreszahl!”, sagt der Teufel rechts auf meiner Schulter. “Es ist mehr als das, ein neues Jahr voll von Wundern und schönen Momenten”, trällert der Engel auf der linken Schulter und dreht sich mit erhobenen Armen im Kreis. Könnt ihr einfach mal die Klappe halten?

Machen wir uns nichts vor. Das neue Jahr wird genauso durchwachsen sein wie eh und je. Wir werden schöne Momente erleben wie tränenreiche. Wir werden an uns zweifeln und dann wieder aufstehen und weitermachen. Vielleicht werden wir manches Mal auf der Stelle treten, uns dafür verfluchen, vielleicht sogar richtig wütend auf uns sein. Und dann können wir sicher das ein oder andere Mal über uns hinauswachsen. Wir werden ganz sicher hin und wieder das Gesicht in die Sonne halten und ihre Wärme unsere Wangen kitzeln spüren. Wir werden uns über die Blumen im Frühling freuen, die strahlenden Menschen im Sommer und den wunderschönen bunten Herbst.

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Nicht für jeden ist die Weihnachtszeit eine schöne Zeit – ein Appell ans Herz

Copyright by tin.G/flickr.com

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Die Vorweihnachtszeit ist eine komische Zeit. Eine schöne und zugleich eine traurige. Eine hoffnungsvolle und doch eine, die verzweifelt. Mich bewegt so viel und doch gar nichts. Gedankenwellen überfluten mich und manchmal ist es Leere, die mir bis in die Knochen zieht. Die letzten Jahre waren immer schlimm zu der Zeit. Ich war immer voller Kummer, ertrug das alleinsein nicht in dieser Zeit. Dachte an die schönen Zeiten, was mich noch trauriger machte.

In diesem Jahr…bin ich eher nachdenklich.

Ich denke über mein Jahr nach und ob ich alles getan habe, um es zu einem guten Jahr zu machen. Ich denke darüber nach, wie es im nächsten Jahr weitergehen soll. Ich weine nicht, aber irgendwie glaube ich, dass es gut wäre. Weiterlesen

Ein Brief an mich

Copyright by byteorder/flickr.com

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Liebe Tanja,

ich wollte Dir nur mal sagen: ich bin so stolz auf Dich! Was Du alles geschafft hast in den letzten Monaten, einfach der Wahnsinn. Du sorgst dafür, dass es uns wieder gut geht und wir uns wohl in unserem Körper fühlen. Endlich schleppe ich nicht mehr so viel Gewicht mit mir herum, das war ganz schön anstrengend!
Ich bin froh, dass Du es endlich gerafft hast, dass Du Deine Leere nicht mit Essen füllen kannst. Sie mit neuen Zielen und vor allem gesundem Essen zu füllen ist so viel besser. Es macht Mut, es macht glücklich und ich fühle mich schon wie ein neuer Mensch! Und endlich habe ich kein Heißhunger mehr, der mich bisher alle Diäten abbrechen ließ. Mit dieser Kur rettest Du unser Leben, weißt Du das eigentlich?
Auch finde ich es toll, dass Du wieder eine Perspektive hast, ohne Stress und Zielvereinbarungen Geld zu verdienen. Es gefällt mir, dass wir neue Leute kennenlernen und Du endlich rauskommst aus Deinem Schneckenhaus. Ich weiß, dass es Dir noch schwer fällt, Dich neuen Menschen zu öffnen, aber es ist gut für Dich. Vertraue Deinem Herzen, dass es schon weiß, wer gut für Dich ist. Ich habe ein gutes Gefühl bei der Sache! Und höre bloß nicht auf den dummen Verstand, der Dir einreden will, dass Du das nicht kannst. Du kannst es! Ich weiß das und alle anderen auch. Dein Verstand hasst Veränderungen und wird Dir immer Steine in den Weg legen, wenn Du etwas neues ausprobieren willst und Du Wege gehst, die Du vorher noch nie gegangen bist. Das ist für ihn einfach zu anstrengend, sich zu ändern. Du siehst ja, wie sehr er Dich manipulieren will. Steig einfach über die Steine hinweg! Und wenn Du manchmal stolpern solltest, weil Du seine Hinterlist nicht schnell genug erkennst, lache ihn einfach aus, rappel Dich auf und gehe Deinen Weg weiter.
Du machst das schon super. Du kannst endlich das tun, was Du schon immer wolltest – Menschen helfen, sich zu verändern und ihnen helfen, gesund zu bleiben oder zu werden. Das ist eine gute Sache, die Du mehr für sie als für Dich tust. Also hab Vertrauen in das, was Du tust. Hab Vertrauen in Dich und Deine Fähigkeiten, denn davon hast Du sehr viele gute! Bleib dran, gib nicht auf und hab Dich selbst so lieb wie Deine liebsten Freunde Dich lieb haben.
Du hörst von mir, ich hab ein Auge auf Dich! Keep going!!!
Deine Tanja