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Emotionen

Liebesleben

Liebes Leben

Liebes-Leben

ein Leben voller Leben

lebst mit mir und ich mit dir

Liebesleben

liebst du mich?

hart und tief

oder flach und weich

mich lieben

Leben

ist gar nicht leicht

aber dich lieben

Leben

macht mich reich

 

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Ich wünsche mir mehr “leben” in meinem “Leben”

Der Kaffee ist nicht stark genug. Ich koche mir einen Neuen. Ich sitze auf meinem Balkon im Liegestuhl und lese. Ich lese etwas von “nach innen gehen” und “mit dem Körper verbinden”. Und ich schließe die Augen und denke: Dann geh ich doch mal nach innen. Vielleicht mache ich es falsch, denn da ist nichts. Ein bisschen Atem, ein bisschen Kribbeln und Pulsieren. Aber sonst. Ich bin frustriert. Ich höre Musik, die ist ganz schön. Dann ein Lied, das so gar nicht passen will zu diesem Samstag morgen Liegestuhl-Moment. Ich nehme mein Handy in die Hand und will wissen, ob mir jemand geschrieben hat. Nichts. Also gehe ich auf Facebook, aber das frustriert mich auch. Also stehe ich auf. Der Teppich ist an einigen Stellen ergraut, nicht “weiß” genug – ich stecke ihn in die Waschmaschine. Und hänge die Wäsche, die ich zuvor gewaschen hatte, auf den Wäscheständer. Ich bin zufrieden. Dann fällt mein Blick aufs Bett und ich denke, die Bettwäsche könnte frischer sein, nehme sie und hänge sie auf den Balkon. Dann setze ich mich wieder in meinen Liegestuhl und lese ein paar Zeilen. Da steht etwas von “Wunsch in sich verankern”. Gut. Augen geschlossen und wünschen. Ich sehe meinen Wunsch ganz klar vor mir. Und nun? Ich bin ratlos. Der DHL-Wagen fährt vorbei. Ich springe auf – warte ich doch seit Tagen darauf, dass meine Pakete abgeholt werden. Ich lasse meinen Hund mit hinaus und gehe dem Postmann entgegen. Bitte ihn, meine Pakete mitzunehmen. Kann er nicht, sagt er. Er sei Express. Und läuft weiter. Lässt mich einfach stehen. Ich bin wütend. Und zweifle an dem Service der Deutschen Post. Schließlich bin ich die, die immer alle Pakete der Nachbarn annimmt. Damit ist jetzt Schluss, beschließe ich und gehe wütend in die Wohnung zurück. Ich hole den Staubsauger aus dem Schrank und fange an, den Boden zu saugen, auf dem zuvor der Teppich lag. Ich sehe mir meinen Fußboden an und denke, immer sieht er dreckig aus. Tja, ist halt so wenn man einen Hund hat. Gleichzeitig ärgert es mich. Es ist mir einfach nicht sauber genug.
Kaum bin ich fertig mit saugen kehre ich auf meinen Liegestuhl zurück. Ich denke, was ein typischer Samstag morgen. Ein Samstag morgen, an dem nichts, aber auch nichts, gut genug zu sein scheint. Es klingelt an der Tür. Hermes. Eigentlich wollte ich meine Pakete erst mit Hermes verschicken – dann ging aber mein Drucker nicht und ich konnte die Paketzettel nicht ausdrucken. Also habe ich es wieder storniert. Das hat dem armen Zusteller aber niemand mitgeteilt. Es scheint mir so verrückt, dass es eigentlich nicht wahr sein kann. Hermes, die ich storniert habe, kommen, aber DHL, die ich bezahlt habe, kommen nicht und lassen mich stehen. Ist hier irgendwo die versteckte Kamera? Oder möchte das Leben einfach mal meine Geduld testen? Es ist wohl gerade nicht die Zeit der Leichtigkeit. Das Dinge leicht funktionieren. Und ich unterhalte mich mit dem Hermes-Mann und er sagt: Es ist alles scheiße hier und er geht. Ab 1. Juli wars das mit dem Job. Und ich denke, richtig so und sage es ihm auch. Warum verharren die einen Menschen in unzufriedenen Situationen und andere ziehen die Konsequenzen und verändern etwas? Bin ich nicht auch genauso stark wie dieser Postbote? Warum sollte ich weniger stark sein? Warum soll ich als einziger Mensch auf der Welt in meinem Leben feststecken? Nun ja, so ganz stecke ich nicht fest – im letzten Jahr hat sich viel verändert. Aber eben wieder “nicht genug”. Werde ich jemals in meinem Leben an einem Punkt sein, an dem etwas einfach “gut genug” ist? Werde ich mir meinen Fußboden anschauen und meine Wohnung und sagen: Genau so ist es gut? Nein, ich habe keinen Putzfimmel, im Gegenteil. Meine Wohnung ist vielmehr Spiegelbild meiner Seele. Alles etwas zu eng, alles etwas zu voll und alles etwas zu chaotisch. An einigen Stellen sieht man, dass man versucht hat, es schöner zu  machen und das ist auch gelungen. Aber eben – nicht genug. Es ist nicht genug schön, es ist nicht genug groß, es ist nicht genug dass, wie ich leben möchte. Und während ich das denke, sehe ich vor meinem inneren Auge ein Haus mit einem Garten mit altem Baumwuchs aus Laub- und Obstbäumen. Ich sehe eine weiße Bauernküche und ein gemütliches Wohnzimmer mit Kamin. In diesem Haus ist es nicht eng, mein Garten ist voller Tiefgang und in seiner Unperfektheit wunderschön. Die Dinge verändern sich. Wünsche verändern sich. Manchmal denke ich, vielleicht bin ich mir selbst doch genug. Dennoch ist da immer noch der Wunsch nach “leben” in meinem “Leben”. Denn davon kann man nie genug haben.

Herz

Mein Herz tut weh

es drückt

mit aller Gewalt an meine Brust

es will hinaus, die Kälte

die alles Blut in den Adern gefrieren lässt

es schlägt und pumpt, stemmt sich gegen die geschlossne Türe

bis sie zerspringt

bis sie zerspringt

und Licht ins Dunkel weht

 

Mein Herz tut weh

so sehr

als ich Dich

sterben sah

und die Wut war vergangen

wohin kann ich nicht sagen

vielleicht ist sie mit dem Dunkel davon geschwommen

das Herz schlägt benommen

und warmes Blut zieht seine Runden

aus den Augen fallen Liebestropfen

die sich an Deine Nasenspitze schmiegen

wie wir ineinander in den Armen liegen

Kopf an Kopf

und mir klar wird

ich lasse Dich nicht mehr los.

 

Mein Herz tut weh

aber es ist ein guter Schmerz

ein Schmerz des Öffnen und des Heilens

ein vergessenes Gefühl,

das sich spüren, sich selbst spüren

Ohne Dich wäre das Herz weiter verschlossen

es wäre als Stein in die Geschichte eingegangen

klein, rund und scharf hätte es alle Lebewesen von sich gehalten

es hätte sich aufgeplustert

und große Reden geschwungen,

sich bei kleinster Liebe in die Körpertiefe verzogen

es hätte sein Dunkel schön geredet

und geredet

und geredet

und geredet.

 

Hör auf zu quatschen

und fange an zu fühlen

lass mich fühlen,

Liebe spüren

und durchdrehen

mich täglich neu verlieben

und einmal richtig über beide Ohren

vernarrt sein

in mich, aber vor allem in Dich

vor allem in Dich

jeden Tag Deines Lebens in Dich.

 

 

In Dankbarkeit an meinen Liebling, dass er da ist obwohl ich oft so doof zu ihm war. In Dankbarkeit, dass es ihm gut geht. In Dankbarkeit, dass seine Liebe stärker ist als Angst.

Über Gewalt an Kindern redet man nicht

Copyright by Brandon Warren/flickr.com

Copyright by Brandon Warren/flickr.com

Gestern kam auf Sat1 ein bewegender Film über häusliche Gewalt. Die Protagonistin wurde von ihrem Mann isoliert, gedemütigt, geschlagen und sollte am Ende um ihr Leben bangen. Ich habe mir diesen Film angesehen, um mich mit der Gewalt zu konfrontieren, die ich nur zu gut kenne, die ich aber so weit verdränge, dass es scheint, als sei sie nie dagewesen. Dieser Film brachte Erinnerungen zurück. Und er erzeugte sowohl Mitgefühl und Verständnis als auch Ärger und Unverständnis. Denn eines verstehe ich nicht: Über Gewalt an Frauen wird gesprochen – über Gewalt an Kindern nicht. Warum vergessen wir die schwächsten unter uns? Warum schützen wir nicht die unschuldigen Seelen, die unter der Gewalt, die ihnen angetan wurde, ihr ganzes Leben lang leiden werden?

Ist es, weil Kinder nicht darüber reden können?

Ist es, weil Kinder keine Stimme mehr haben und wir ihr keine neue geben?

Oder ist es so furchtbar, dass wir Angst davor haben, uns dieser Vergewaltigung von Kinderseelen zu stellen?

Gewalt in Beziehungen, Gewalt an Frauen ist schrecklich und es ist gut, dass ihr ein Rahmen gegeben wird, damit wir erkennen, welche furchtbaren Dinge hinter geschlossenen Türen geschehen.

Aber was ist, wenn beide Elternteile Gewalt an ihrem Kind üben? Welche Chance hat dann ein Kind, zu gehen? Welche Chance hat es, sich zu wehren? Welche Chance hat es, ein starker, selbstbewusster Mensch zu werden?

Keine.

Ein Kind kann nichts, aber auch gar nichts tun.

 

“Ich lernte, dass Hilflosigkeit ein stetiger Begleiter meines jungen Lebens wurde. Dass es normal ist, dass die Haut brennt, von all den Schlägen. Ich lernte, dass es nichts bringt, wenn ich weine und dass ich mit jedem mal danach noch einsamer bin als zuvor. Ich lernte, dass Vertrauen etwas schlechtes ist, ich lernte, das Vertrauen Beschimpfung und Abwertung bedeutet. Ich weiß nicht, wie sich eine Umarmung von meiner Mutter anfühlt. Ich weiß nicht, wie es ist, Rückhalt zu haben. Ich lernte, dass Schläge gar nicht so sehr weh tun, dass Worte schärfer sind als jede Härte der Faust.
Ich lernte mein Leben auf wackligen Stelzen, mit einem Fundament voller Stolpersteine und Risse. Ich lernte, nicht ich zu sein. Denn ich bin nicht würdig, zu leben und glücklich zu sein. Niemand hörte meine Schreie, mein Weinen. Nachbarn waren begeistert von den Eltern, die ich nicht Mama und Papa nennen konnte. Irgendwann nannte ich sie beim Vornamen. Und irgendwann redete ich gar nicht mehr. Mit 12 Jahren wollte ich tot sein und wiedergeboren werden – als Kind mit liebenden Eltern.”

Mache die Augen auf. Wir müssen unsere Kinder beschützen. Ein Kind ist ganz allein. Es hat keine Hilfe. Es kann keine Hilfe holen. Es kann nicht darüber reden, denn für das Kind sind Schläge normal.

Stell Dir vor, Du bist 10 Jahre alt und Gewalt gehört zum Alltag wie essen, trinken, schlafen. Stell Dir vor, Du bist 15 Jahre alt und jeden Samstag holst Du Dir Deine Portion Schläge ab. Stell Dir vor, Dein starker schwerer Vater sitzt auf Dir, Dein Vater, den Du liebst, und er schlägt Deinen Kopf auf den Marmorboden und Du denkst, Du musst sterben.

Stell Dir vor, Du bist 45. Und fügst Dir selbst Gewalt zu, indem Du zu viel isst, trinkst, arbeitest, Dir nichts erlaubst, nicht gut für Dich sorgst, Dich selbst demütigst. Dich selbst verachtest.

Sieh hin. Wir können nicht länger wegsehen.

Heute lasse ich die Hosen runter. Ich bin nie glücklich gewesen.

Copyright by Hartwig HKD

Copyright by Hartwig HKD

Ich gestehe: Ich habe viel in meinem Leben falsch gemacht. Ja, ich lasse die Hosen runter – ich kann mir und auch euch nichts mehr vormachen. Mir habe ich nun 31 Jahre etwas vorgemacht. Mir meine Welt gebaut und nicht erkannt, dass die Farben, die ich verwende, verblassen, wenn man mit der Lupe genauer draufschaut. Nicht erkannt, dass das was ich dachte zu sein vielmehr das ist, was andere meinen, wie ich zu sein habe. Ja, ich bin Meisterin der Fassade, wenn es darum geht, die funktionierende toughe alleskönnende Tanja zu sein.

Ich lächle, wenn ich eigentlich weinen möchte. Aber ich kann nicht mal mehr traurig sein.

Ich mache immer weiter, auch wenn ich nichts tun könnte. Ich kann nicht mal nichts tun.

Ich rede, wenn ich schweigen sollte. Und ich kann auch nicht einfach mal die Fresse halten.

Mit 31 Jahren bin ich ein emotionaler Krüppel – mehr als je zuvor. Ich bin weder in der Lage zu flirten noch ein normales Gespräch mit einem Mann zu führen. Ich kann nicht mit Kritik umgehen und mit Ablehnung schon gar nicht. Ich kann mich selbst nicht lieben und nicht einmal mögen. Ich baue täglich Traumschlösser, denen ich nachjage und dann enttäuscht bin, weil ich sie nicht erreiche. Ich wünsche mir ein Leben, dass ich effektiv nicht habe – das ist die Wahrheit, das ist Fakt. Ich habe kein schöneres, reicheres, zufriedeneres, bunteres, schlankeres, erfolgreicheres Leben. Nur das, was jetzt da ist.

Schmerzhaft? Oh ja.

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Von Entscheidungen, offenen Herzen und Gedanken, die uns falsche Geschichten erzählen

Copyright by BK, Flickr.com

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Kennt ihr das auch? Da hat man endlich, nach Wochen, Monaten, eine Entscheidung getroffen und dann passiert etwas, was dazu führt, dass sich alles angenommene, auf dem die Entscheidung basierte, in Luft auflöst? Dies ging mir an diesem Wochenende so. Es war ein Wochenende, das einer emotionalen Achterbahn glich. Damit habe ich nicht gerechnet. Aber wer rechnet schon damit, berührt zu werden, wenn man denkt, man könnte gerade nicht berührt werden? Wer rechnet damit, dass die Kraft des menschlichen Zusammenseins so viel bewirkt, dass passierte, was schon eine Weile nicht mehr passiert war – nämlich mich in diesem Zusammensein durch und durch wohl zu fühlen?

Manchmal komme ich mir wirklich vor wie eine emotionale Baustelle. Ein unfertiges Haus, das einst so schön strahlte und in dem nun mal hier, mal dort gezimmert wird, mal hier das Fundament splittert, mal dort ein Raum in neuem Glanz erblüht.

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Die Wut der Anderen

Copyright by Dietmar Temps

Copyright by Dietmar Temps

Warum tangieren uns Menschen, was andere von uns halten? Warum macht es uns wütend, wenn der gestresste Jogger (den Joggen anscheinend nicht ENTstresst) einen wütend anmault, man möge doch den Hund an die Leine nehmen? Warum ärgern wir uns, wenn jemand unsere Kinder nicht mag, wenn wir nicht so drauf sind wie sie wollen oder wenn wir anders leben wie sie? Warum macht es uns was aus, wenn jemand an unserem KnowHow kratzt, wenn wir tun was wir wollen und ihnen das nicht genehm ist?

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Von Trauer und Mutmachzitaten

Copyright by Alice Popkorn/flickr.com

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Ich habe heute in einem Fernsehfilm ein Zitat aufgeschnappt. „Am Ende wird alles gut. Und wenn es noch nicht gut ist, ist es eben noch nicht zu Ende.“ Kann darin ein Stückchen Wahrheit stecken? Ist meine Reise noch nicht zu Ende, weil sie noch keinen guten Ausgang hat? Gibt es das, ein Happy End des Lebens? 

 
Ich bin in letzter Zeit sehr sentimental. Ob es die Nachricht einer Freundin ist, dass sie geheiratet hat oder die Begegnung mit meiner alten Deutschlehrerin, um die ich mir bereits Sorgen gemacht hatte und der ich nun im Supermarkt zufällig gegenüberstehe oder mein erstes Bild, ein Leuchtturm am Meer, das ich in der Reha gemalt habe und was nun die Badezimmertür ziert, ich immer daran vorbeilaufe mit einem leichten Lächeln und nun, plötzlich spät am Abend, stehenbleibe und es mir lange ansehe, von der kleinen Möwe in der Ecke bis zu den nicht ganz geraden Linien, ich mit den Fingern über die Pastellkreide streiche… – in solchen Momenten bin ich so gerührt, dass ein paar Tränen kullern. Ist das normal? Unnormal? Vielleicht gibt es auch dagegen eine Tablette. Schließlich gibt es gegen alles eine Tablette. Nur schlucken, man braucht nicht einmal Wasser, und das Problem ist gelöst. Die Schmerzen weg. Die Traurigkeit weg. Die Gefühle weg. Eigentlich ist das Leben doch ganz einfach. 

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Wut ist großartig. Wut ist Energie. Sie macht uns menschlich.

Pastell Himmel

Copyright by Kjell-Einar Hargaut Pettersen

Wut ist gar nicht schlecht, auch nicht böse oder so. Das wird uns als Kind nur immer wieder eingeredet. Treten wir wütend mit den Füßen auf den Boden, wird das unterbunden. “Lass das”! Und wir lassen es. Wir lassen es während wir Kinder sind, als Jugendliche und als Erwachsene. Und wundern uns, wenn wir als Erwachsene irgendwann vor Gereiztheit platzen, wenn wir Magenschmerzen bekommen, Migräne oder Darmbeschwerden. Hinter dem Gereiztsein steckt unausgelebte Wut. Gefühle, die wir einst gerne gezeigt hätten und nicht durften.

Heute bin ich gereizt. Ob das auf meinen gereizten Darm zurückzuführen ist oder einfach nur so oder weil einfach ein doofer Tag ist – das ist letztendlich auch egal. Wichtig ist, die dahinter liegende Wut nicht zu unterdrücken. Ich bin wütend, oh ja. Und wie! Und endlich darf ich sie zeigen, ich DARF wütend sein.

Wut ist pure Energie. Sie ist genauso Energie wie Angst, Liebe, Hoffnung, Scham. Nur Menschen bewerteten diese Energien in die Kategorien gut und schlecht. Wer Angst hat, ist schlecht, Liebe ist gut. Wut ist schlecht, Hoffnung ist gut.
Besonders Wut ist eine Energie, die ich immer mehr zu schätzen weiß. Sie kann uns krank machen, aber auch gesunden lassen. Sie bringt uns näher zu uns selbst, zu unseren wahren Emotionen. Wenn wir anerkennen, dass wir mehr sind als nur Liebe und nur Optimismus. Sie erlaubt uns so zu sein wie wir sind.

Gleichzeitig bringt das Brodeln in uns auch neue Früchte an die Oberfläche. Es werden neue Wege möglich, wenn wir das Brodeln als Lebensenergie anerkennen und ihr erlauben, zu Sein.Bei mir führte es heute dazu, diese Emotion als eine mir zugehörige zu sehen. Ich habe auch Wut, ist das nicht toll? Und ich nutze sie, indem ich darüber nachdenke, worüber ich wütend bin und es nun verändere. Ich bin wütend, dass mir jemand auf der Nase herumtanzt? Dann ist die Beziehung noch nicht klar und muss gefestigt werden. Ich bin wütend, weil etwas nicht so klappt wie ich mir das vorstelle? Dann darf ich mich in Geduld und Nachsicht üben, aber auch am Dranbleiben und in mehr Klarheit. Ich kann konkrete Schritte unternehmen, konkrete Veränderungen einleiten.

Wut ist großartig. Lebt sie aus (d.h. nicht sie AN anderen auslassen), steht zu ihr, ja, lernt sie zu lieben – sie  macht uns menschlich und aus uns wahrlich vollkommene, authentische Wesen.

 

Ich bin jetzt einfach noch ein bisschen traurig. So lange bis es gut ist. Dann ist es gut.

Copyright by Dietmar Temps

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Ich bin traurig. Traurig über die letzten Tage, die nicht so waren, wie ich sie mir vorgestellt hatte. Das alleine ist ja nicht so schlimm. Aber es hat in mir etwas ausgelöst, was ich längst dachte, begraben zu haben. Ich habe an mir unendlich gezweifelt. Ich habe alles an und in mir in Frage gestellt. Ich habe auf mir selbst rumgehackt, dass ich nicht gut genug, nicht interessant genug, nicht …. genug sei. Dass keiner mich mag. Dass alles was ich an Unterstützung gebe, nicht geschätzt wird. Dass das was ich in die Welt gebe, nicht berührt. Wäre ich ein Blatt Papier, ich hätte mich genommen und in kleine Fetzen gerissen.

Und es ist weniger die Tatsache, dass ich enttäuscht bin über die Situation, sondern was mich richtig bestürzt, ist, was das alles in mir ausgelöst hat und wie ich mit mir selbst ins Gericht gehe. Ist das nicht erschütternd, dass man sich aufgrund einer Sache, die wahrscheinlich nicht einmal etwas mit mir zu tun hat, selbst so zerstört? Ich habe zugelassen, dass meine Mauern eingerissen werden. Von meinen Gefühlen. Meinen Gedanken. Meiner Enttäuschung. Meiner Selbsttäuschung. Ich dachte, ich hätte das alles schon hinter mir. Und nun stehe ich da und es ist als hätte ich nichts gelernt. Nun stehe ich da mit meinem Scherbenhaufen und muss nun mühsam Teil um Teil wieder zusammenfügen.

Es ist so leicht, positiv zu sein, wenn alles super läuft. Umso schwerer zu akzeptieren ist es, wenn etwas nicht gut läuft und es uns (wieder) beschissen geht. Das dann auch wieder anzunehmen ist unglaublich schwer. Wenn man einmal den Himmel gesehen hat, möchte man in keinem Loch mehr sitzen.

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