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Einer dieser Tage…

In meinem Mund schmilzt die Schokolade. Sie versucht, den bitteren Geschmack des Tages mit all ihrer Süße zu verdrängen. Ich spüre, dass nicht gut ist, was ich tue. Es ist nicht gut, das Gefühl des Alleinseins mit Schokolade zu stillen. Es war einer dieser Tage, die man nicht gerne erlebt. Einer dieser Tage, die einen an den Rand seiner Kraft bringt und verloren zurücklässt, weil man eines nicht mehr hat – das Gefühl, alle Hürden nehmen zu können, so wie man es die letzten Monate, so wie man es immer getan hat. Dabei war das ganz schön schwer. Nicht nur sich immer wieder zu motivieren, aufzurichten, über sich hinaus zu wachsen. Und gleichzeitig für andere da zu sein. Für Kunden, Freunde, Familie, Hund.

Die Schokolade hat inzwischen einen leicht pelzigen Geschmack auf der Zunge hinterlassen. Nun stehe ich hier und es ist niemand da, der nun mich aufrichtet, weil ich es gerade nicht kann. Vielleicht kann ich es morgen wieder oder übermorgen. Da bin ich mir ziemlich sicher. Aber wäre es nicht schön, aufgerichtet zu werden in dem Moment, in dem man zu fallen droht? Oder in dem man sich gerade das Kinn blutig schlägt, weil man wie ein ICE gegen die Steinmauer gedonnert ist? Ich denke, es wäre ok, wenn es nicht so weh getan hätte, dieser Fall heute. Es wäre ok, es alleine zu schaffen, es wäre ok, mit mir selbst zu sein. Ich bin gerne mit mir.

Es tut gut, die Worte aus meinem Hirn, aus diesem Wirrwarr, diesem festgezurrten Knoten, aufs Papier zu bringen. Ihnen so Gehör und eine Daseinsberechtigung zu geben. Mein Kopf schmerzt ob all der Gedanken, die in ihm kreisen. Die Angst. Das Durcheinander. Dieses Leben, das ich in Worte zu fassen kaum möglich bin. Dazwischen Sätze wie “Du bist immer stark, jetzt bist Du es mal nicht, na und”, “Du kannst nicht immer alles allein schaffen”, “Es ist ok, traurig zu sein, stell Dir das mal vor” und “Du bist mutig, so mutig!”.

Heute kann ich nur weinen.

Kommen wir immer wieder an den gleichen Punkt in unserem Leben? Egal wie alt wir werden? Warum gibt es Menschen, die immer nur sich selbst sehen und nicht daran denken, dass es da noch andere gibt, die ebenso viel geben müssen? Die nicht daran denken, wie es einem wohl gehen könnte, wenn man ein unempathischer Idiot ist. Oder die einen willentlich klein machen wollen. Ich weiß, es gibt immer zwei Pole. Und ja, es gibt Menschen, die mich mit ihrer Arroganz derart erschlagen, dass ich dem nichts entgegensetzen kann. Es wäre nur leichter, wenn dies nicht Menschen wären, von denen man abhängig ist.

Niemand kann mir geben, was ich mir selbst nicht gebe kann. Ich lächle, auch wenn mir gar nicht danach zumute ist, nur damit Du lächelst, mein Herz. Ich mache Dir Mut, auch wenn ich mich selbst gerade gar nicht mutig fühle, mein Herz. Ich umarme Dich in Gedanken, obwohl ich selbst nach einer Umarmung zehre, mein Herz. Jetzt lächle ich nicht. Ich bin auch nicht mutig. Es ist schwer, alles richtig zu machen, mein Herz.

Andreas Bourani singt: Sei nicht so hart zu Dir selbst. Ich glaube, er spricht von mir. Wenn die Angst Dich in die Enge treibt und es nicht mehr zum Gegenhalten reicht. Andreas, woher weißt du? Auch wenn alles zerbricht, geht es weiter für Dich. Denkst Du wirklich? Das ist ja leicht gesagt Andreas. Hey! Ja, hey. Na Du. Du brauchst nur weiter zu gehen. Ja, das mache ich. Es geht ja nur in eine Richtung – vorwärts.

Ich würde nicht sagen, dass ich das schwerste Leben von allen habe. Ich weiß, es geht viel viel schlimmer. Die Tragödie meines Leben ist das Gefühl, nirgendwo hinzugehören – mich nirgends zuhause und warm und geborgen zu fühlen.Es ist möglich, eine Angst über eine Weile zu unterdrücken. Dass man Angst hat, all die Erwartungen zu erfüllen. Sich selbst und anderen gerecht zu werden. Angst, nicht mehr mutig sein zu können, noch während man mutig ist. Angst, nicht 100% geben zu können, noch während man 100% gibt. Angst zu scheitern, obwohl man noch gar nicht scheitert. Aber irgendwann kommt sie doch wieder hochgekrochen. Will angesehen, gefühlt werden. Und jedes Mal fühle ich mich als würde ich ins offene Messer laufen.

Und wieder stehe ich an diesem Punkt, an diesem einen Punkt, an dem ich mich frage: Wo ist mein Weg? Ich will glücklich sein.

Im Regen stehen wir niemals allein. Ach Andreas, das wäre schön, ja, das wäre schön.

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