Ich bin jetzt einfach noch ein bisschen traurig. So lange bis es gut ist. Dann ist es gut.

Copyright by Dietmar Temps

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Ich bin traurig. Traurig über die letzten Tage, die nicht so waren, wie ich sie mir vorgestellt hatte. Das alleine ist ja nicht so schlimm. Aber es hat in mir etwas ausgelöst, was ich längst dachte, begraben zu haben. Ich habe an mir unendlich gezweifelt. Ich habe alles an und in mir in Frage gestellt. Ich habe auf mir selbst rumgehackt, dass ich nicht gut genug, nicht interessant genug, nicht …. genug sei. Dass keiner mich mag. Dass alles was ich an Unterstützung gebe, nicht geschätzt wird. Dass das was ich in die Welt gebe, nicht berührt. Wäre ich ein Blatt Papier, ich hätte mich genommen und in kleine Fetzen gerissen.

Und es ist weniger die Tatsache, dass ich enttäuscht bin über die Situation, sondern was mich richtig bestürzt, ist, was das alles in mir ausgelöst hat und wie ich mit mir selbst ins Gericht gehe. Ist das nicht erschütternd, dass man sich aufgrund einer Sache, die wahrscheinlich nicht einmal etwas mit mir zu tun hat, selbst so zerstört? Ich habe zugelassen, dass meine Mauern eingerissen werden. Von meinen Gefühlen. Meinen Gedanken. Meiner Enttäuschung. Meiner Selbsttäuschung. Ich dachte, ich hätte das alles schon hinter mir. Und nun stehe ich da und es ist als hätte ich nichts gelernt. Nun stehe ich da mit meinem Scherbenhaufen und muss nun mühsam Teil um Teil wieder zusammenfügen.

Es ist so leicht, positiv zu sein, wenn alles super läuft. Umso schwerer zu akzeptieren ist es, wenn etwas nicht gut läuft und es uns (wieder) beschissen geht. Das dann auch wieder anzunehmen ist unglaublich schwer. Wenn man einmal den Himmel gesehen hat, möchte man in keinem Loch mehr sitzen.

Und wenn man angefangen hat, zu lernen, sich selbst zu lieben, möchte man sich selbst nicht mehr ständig kleinmachen. Aber es kam alles in mir hoch, doppelt, dreifach. Alles. Alle destruktiven Glaubenssätze. Meine Selbstverurteilung. Alle Härte gegen mich. Dazu tiefe Bestürzung und Traurigkeit. Wieso mache ich das alles nur? Habe ich zuviel gegeben? Zuwenig eingefordert? Wie werde ich wahrgenommen? Bin ich schon “selbstverständlich” geworden? Habe ich mich wirklich wirklich getäuscht? Oder sind es tatsächlich Freundschaften, die entstanden sind und Menschen, denen ich vertrauen und auf die ich bauen kann? Ich weiß es nicht. Das ist auch nicht wichtig. Wichtig ist wie ich jetzt mit mir selbst umgehe. Die anderen sind die anderen. Ich bin hier. Ich fühle mich. Schrecklich. ich fühle mich. Respektlos behandelt. Ich fühle. Ich fühle. Ich fühle. Mich.

Es ist okay, traurig zu sein. Es ist okay, enttäuscht und wütend zu sein. Es ist okay, zu fallen.Aber es ist nicht okay, nicht wieder aufzustehen. Und das werde ich. Wer weiß wofür es gut war. Wer so hart auf den Boden aufknallt, der trägt auch manche Beule davon – aber auch diese wird heilen. Wir alle müssen regelmäßig Schläge einstecken. Wir alle werden mit Realitäten konfrontiert, die unsere Illusionen zerstören. Wir alle werden enttäuscht von Menschen, die wir lieben. Niemand ist davor gefeit. Es ist unglaublich schwer, in diesen Situationen “positiv” zu bleiben. Das man das nicht hinkriegt, hallo, wir sind keine Maschinen. Ich bin es leid, dann eine Rolle spielen zu wollen. Stark tun zu wollen, wenn ich innerlich am Zusammenbrechen bin. Wozu? Wem wollen wir etwas vormachen? Dem anderen? Uns selbst?
Wir haben das Recht, echt zu sein. Wir DÜRFEN traurig sein. Und wütend. Und maßlos enttäuscht. Und ich auch. Ich darf das auch. Aber was ich nicht darf, ist, mich selbst fertig zu machen. Das ist total bescheuert.

Es ist leicht mit anderen ins Gericht zu gehen. Damit ist man fein raus, denn so macht man sich selbst zum Opfer. Nicht so leicht ist es hingegen, stattdessen mit sich selbst ins Gericht zu gehen. Und sich zu hinterfragen. Was habe ich dafür getan, dass das so passiert ist? Was soll mir das aufzeigen, wo war etwas nicht in Ordnung, was nun heilen darf? Und glaubt mir, wenn euch die Keule umhaut, MUSS man hinschauen. Das lässt einen nicht mehr so leicht los.Es werden alte Wunden neu aufreißen und wir werden uns schön in alten Verhaltensmustern suhlen. Es kann uns alles Selbstvertrauen, jede Energie rauben. Und jeglichem Vertrauen in sich selbst die Luft abschnüren.
Es gibt kein Leben, in dem man immer glücklich ist. Und in dem alles so funktioniert, wie wir uns das vorstellen. Das durfte ich jetzt wieder erfahren, wieder lernen. Ich gestehe es mir jetzt zu, meine Wunden zu lecken und ihnen Zeit zu geben, zu heilen. Aber mit dem Selbstverurteilen, das lasse ich lieber – ich war jetzt genug hart zu mir. Es reicht. Ich bin jetzt einfach noch ein bisschen traurig. So lange bis es gut ist. Dann ist es gut.

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