In der Zeitmaschine: Alte Gedanken, alter Erwartungsdruck

Copyright by Alice Popkorn/flickr.com

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Es gibt so Tage, die möchte man eigentlich aus seinem Kalender streichen. Tage, an denen man morgens schon wach wird und weiterschlafen möchte. Tage, an denen man sich fragt, was zum Teufel man heute eigentlich machen “muss”, “möchte”, “sollte”. Und sich wünscht, er wäre schon vorbei. Und dann? Dann kommt ein neuer Tag, der vielleicht genauso beginnt. Das ist doch scheiße.
Ich frage mich, was ich daran ändern kann oder ob ich es einfach mal so stehen lassen sollte. Nicht immer was ändern wollen. Nicht immer was positiver reden müssen. Niemand sagt mir, dass ich das tun muss – nur ich selbst. Aber ich mag so nicht aufstehen. Ich mag mich so nicht fühlen, so halb lebend.


Ich weiß, ich bürde mir gerade wieder mal zuviel auf. Ein Körper, der krank ist, ein Job, der mit Schwäche irgendwie nicht zusammenpasst und ein Umfeld, dass genau wie ich hilflos ist. Neue Kunden, neue Projekte, hier der Hund, da die eigene Erwartung, all das möchte ich zufrieden stellen. All das möchte ich bewältigen, schaffen. Kein Wunder, da kann man schon mal die Flemm kriegen. Während ich früher traurig vor mich alleine hingeweint habe, ist jetzt wenigstens mein Hund da, der kommt, seinen Kopf auf meine Beine legt und mich tröstet. Er versteht, dass das alles gerade viel ist.

Ich frage mich, was ich ändern kann an der Situation. ich kann ja nicht den lieben langen Tag weinen und meine Situation bemitleiden. Ich kann die Entzündung im Darm auch nicht wegzaubern (das sollten eigentlich die Medis..). Aber ich kann sie auch nicht ignorieren, die Schmerzen, die bleierne Schlappheit. Ich kann mich jetzt auch nicht ausruhen – schließlich wollen meine Kunden Höchstleistung und ich möchte, dass meine Arbeit Früchte trägt. Selbst für mein zweites Standbein habe ich keine Kraft – es ist ein Teufelskreis. Ich habe das Gefühl, dass sich was ändern muss. Irgendwie habe ich mich selbst mit meinem Erwartungsdruck und dem Willen, es zu schaffen, wieder in eine böse Abwärtsspirale gebracht. In die des “funktionieren” müssens. Das alles findet aber nur in meinem Kopf statt, es sind meine Gedanken und die Gefühle dazu, die mich in die Knie zwingen. Es ist als sei alles weg, was ich in den letzten zwei Jahren gelernt habe. Ich fühle mich zurückversetzt als wäre ich in der Zeitmaschine gelandet. Das ist doch verrückt! Über dieses Sein bin ich doch längst hinaus! Oder doch nicht?
Von vielen aus meinem Umkreis höre ich: Du bist doch so stark. Dir gings doch so gut, Du hast so toll abgenommen, warst in Deiner Energie usw. Ja, das war ich. Und gerade deswegen macht es mich so traurig, dass ich gerade all das nicht hab. Dass ich schwach bin. Dass es mir nicht gut geht. Dass ich zugenommen habe, dass ich nicht in meiner Energie bin. Ja, das macht mich sehr sehr traurig.

Was brauche ich jetzt, damit es mir besser geht? Vielleicht ein intensives Gespräch mit einem Menschen, der mir den Spiegel vorhält. Vielleicht ein Plan, den ich rational Punkt für Punkt abarbeiten kann. Vielleicht Arbeit, Ablenkung. Vielleicht ein gutes Buch, das mir positive Energie gibt. Mein Therapeut würde sagen: Chillen Sie. Auch eine Möglichkeit, aber irgendwie auch keine wirkliche Lösung.Vielleicht gibt es einfach keine Lösung. Diesmal nicht. Vielleicht ist es eine Phase, durch die ich durch muss, ohne mich dafür zu verurteilen. Vielleicht muss ich diesen Weg alleine durchgehen, nicht wie letztes Jahr, wo mich so viele dabei unterstützt haben.
Vielleicht vielleicht vielleicht. Am Besten fange ich an irgendeinem Punkt einfach mal an.

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