Irgendwann lerne ich es schon, im Regen zu schwimmen

Copyright by Louisa May Alcott Photo by matunin/flickr.com

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Seit Tagen herrscht in meinem Inneren Gefühlschaos. Von “Wolke 7″ auf traurig, von der Zukunft zurück zur Vergangenheit, von Aufgedrehtsein zur Angst. Ich fühle mich verloren. Ich spüre dass ich Ruhe in mein Inneres bringen muss. Deshalb nehme ich mir jetzt Zeit, mich wieder auf mich zu besinnen, auf meine Gefühle, mein Herz. Hier meine Versuche, vom Außen ins Innen zu gehen.

Ich las auf meinem Lieblingsblog mymonk eine Geschichte, in der der Schüler seinen Meister fragte, nachdem er seinen Reis aufgegessen hatte, was er nun als nächstes tun solle. Der Meister antwortete, dass er doch seinen Reisteller abwaschen solle. Die Geschichte soll uns eines lehren: Wenn Du nicht weißt, was als Nächstes zu tun sei, so nehme einfach Deinen Teller und wasche ihn ab. Danach den nächsten. Danach den nächsten. Bis alle Teller abgewaschen sind und Du den ganzen Weg gegangen bist.

Nun: Ich habe damit begonnen, mein Geschirr abzuwaschen. Teller um Teller, Tasse um Tasse, bis alles sauber war. Und wenn es morgen wieder dreckig ist, fange ich erneut an. Es ist nicht wichtig, welchen Weg wir gehen. Nur, dass wir einen Schritt vor einen anderen setzen. “Ich gehe, um zu gehen.” An dieses Zitat – ob von Konfuzius oder Laotse – erinnere ich mich gerne. ich bin schon lang nicht mehr einfach nur gegangen. Meistens bin ich ins Auto gestiegen und von A nach B gefahren. Ich nehme mir vor, wieder Dinge zu tun, nur um sie zu tun – ohne Ziel, ohne was erreichen zu wollen.

Ich meditiere. Ich merke, wie unruhig ich bin. Ich entdecke meine Angstgedanken und mein Verstand macht sich einen Spaß daraus, sich an sie zu heften wie ein Magnet, während ich versuche, meinen Geist zur Ruhe zu bringen. Lass los! herrsche ich meinen Verstand an. Hör auf damit! Entspann Dich. Warum tust Du nicht das was ich will! Zurück auf den Atem konzentieren. Ein. Aus. Ein. Aus. “Was, wenn…”. “aber wenn doch…” “und was dann..” meine Gedanken scheinen nur aus solchen Wortgebilden zu bestehen. Richtig “fertig” denkt er seinen Gedanken nicht. Zwischen all den Fragezeigen hinter den Wortfetzen bilden sich immer wieder Ausrufezeichen. Einfach um das Ganze zu untermalen – nur falls ich es nicht ernst genug nehme, was der da oben von sich gibt. Es kribbelt auf der Haut. Herzklopfen. Angst. Oder doch einfach Unsicherheit? Nein, Angst. Oh nein, das habe ich doch alles hinter mir! Ich sehe mich wie ein kleines Mäuschen in ihren Bau zurückkriechen.

Ich höre Musik. Musik die mich berührt. Musik, bei der ich schreiben kann. Wenn es mir gelingt, meine Gedanken, Sorgen, Ängste in Worte zu kleiden, haben sie weniger Macht über mich. Dann sind sie gesagt und legen ihre geheimnisvolle Aura ab. Ich merke wie mein Verstand mir dazwischenquatschen möchte, aber ich lasse meine Finger tun, was sie möchten. Ich wehre mich nicht. Tipp. Tapp. Tipp. Tapp. Ist das nicht wundervoll? Tipp. Tapp.

Mein Verstand will grübeln.. . Er möchte alle alten Gedanken, Ängste und Glaubenssätze auf den Tisch packen und nochmal von vorne beginnen, alles durchzudiskutieren. Wie er das rechtfertigt? Nun… dieses Thema mit der Liebe hat mich gewaltig aus der Ankerung gehoben. Er meint, nun gleich alles hinterfragen zu müssen. Er macht da wenig Unterschied, zieht die Schublade auf und alles Kunterbunte was darin liegt, wird radikal ausgekippt. Das hat meine Mutter früher immer gemacht. Die Unordnung war hinterher schlimmer wie vorher und man steht erst einmal völlig orientierungslos vor dem Berg an Sachen, die man nun gezwungen ist, zu ordnen. Er meint, es sei an der Zeit, mal wieder alle negativen Glaubenssätze aufzufahren, um mich runterzuziehen. Glückwunsch. “Dich selbst klein zu halten, dient nicht der Welt”. Das hat Nelson Mandela gesagt, danke, Du hast so recht.

Ich habe keine Ahnung, warum das Schönste der Welt – die Liebe – einen so aus dem Gleichgewicht bringen kann. (Nachtrag an dieser Stelle zum vorigen Artikel: Er wird sich nie bei mir melden, das weiß ich inzwischen). Vielleicht weil ich merke, wo mein Leben noch nicht so ist wie ich es mir wünsche. Vielleicht weil es zu schön war, dieses Unfassbare greifbar zu haben – und dann nicht in die Arme schließen zu können. Vielleicht weil es Ängste weckt, die ich die letzten zwei Jahre erfolgreich versucht habe zu verdrängen: Ängste vor dem Alleinsein, vor dem Unglücklichsein, vor dem Nicht-geliebt-werden. Ja guten Tag! Da seid ihr ja wieder! Wie schön, dass es euch noch gibt! Nein, im Ernst. Es ist gar nicht schön. Es ist beschissen, diese Angst, um es mal deutlich zu sagen.

Vielleicht ist das mit der Liebe so wie mit dem Sinn des Lebens. Man kommt immer wieder an einem Punkt im Leben, an dem man darüber nachdenkt. Und Antworten möchte. Wir alle wollen Liebe in unserem Leben. Genauso wie wir ein sinnvolles Leben führen möchten. Ist das eine ohne das andere möglich? Oder bedingt es sich gar gegenseitig? Vielleicht sind es solche Erlebnisse, die einen antreiben, wieder Fragen zu stellen. Innezuhalten und zu hinterfragen. Wo man mit seinem kleinen Kosmos liegen möchte in der Welt. Dass man einen Unterschied macht – sei es nur für sich selbst.

Ich weiß nur eins. Ich bin zerbrechlich. Aber für die Liebe, die über mich fällt wie ein Schauerregen, gehe ich das Risiko ein, zu ertrinken. Vielleicht lerne ich dann ja zu Schwimmen – wenn es so weit ist.

 

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