Nachtmalerei: Deiner Härte fehlt es an Tiefe

Copyright by Alata/flickr.com

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Ich werfe Dich auf Papier. Dann zerknülle ich Dich und werfe Dich in die Ecke. In die dunkelste, dort hinter der Tür, hinter die Abstellsachen. Wo ich Dich erstmal nicht wiederfinde, solange ich dort nicht saubermache. Und wenn, säubere ich Dich mit. Dann entknülle ich das Papier, streiche es glatt und wasche Dir das Gesicht. Ich wasche es rein, rein von dem Schmutz Deiner miesen Worte. Rein von Deiner Unliebe, Deiner Negativität, Deiner Egalität. Vielleicht nehme ich Farbe dazu, ganz viel dicke Farbmasse und verteile sie mit den Händen auf Dir. Alles durcheinander, Farbe um Farbe matsche ich in Dir. Ich mache Deine Welt bunt, aber sie sieht immer noch traurig aus. Und auch von innen strahlt sie Härte aus, der Härte fehlt es an Tiefe. Und so nehme ich Lehm vom Boden und baue Dir Krater, damit endlich Tiefe in Dir ist. Vielleicht pflücke ich ein paar Blüten, die wie Seerosen auf Deiner Farbe gleiten. All das tue ich, nur um ein Hauch von Leben auf Dein Papier zu bringen.

Ich hab Dich nie verstanden – Mama.
Ich habe aufgehört, Dich verstehen zu wollen – Mama.
Ich hab mich nach Dir gesehnt – Mama
Ich habe aufgehört, Deine Kälte zu ertragen – Mama
Ich hab still gelitten – Mama
Ich habe aufgehört, laut mit Dir zu streiten  – Mama
Ich hab Dich gebraucht – Mama
Ich habe aufgehört, um Deine Aufmerksamkeit zu kämpfen – Mama
Ich hab mich lieb – Mama
Ich habe aufgehört, mich zu hassen nur weil Du mich hasst – Mama

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