Neues Jahr – alte Herausforderungen: Wir wir uns in Krisensituationen verhalten und nach unseren Werten leben können

 

Copyright by Etrusia UK/flickr.com

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Neues Jahr – alte Herausforderungen. Die Zeit um Weihnachten und Silvester suggeriert uns gerne, dass mit dem Jahreswechsel ein kompletter Bruch in unserem Leben ansteht und alles, was vorher schwierig war, nun einfach ist. HA! Schön wärs.
Auch ich bin dieser Täuschung erlegen, dass im neuen Jahr alles leichter wird. Dann musste ich feststellen, dass mein Körper das gar nicht so sieht. Er kränkelte über Wochen vor sich hin, bescherte mir Fieber an Weihnachten und einen Kater an Silvester. Und dann das neue Jahr. Der erste Tag, der 1. Januar 2014. Ich habe intensiv in mich reingehorcht – wie geht es mir heute? Fühlt sich irgendwas anders an? Fühle ich mich leichter, reifer, angekommener? Leider nichts von alldem.

Das einzige, was sich verändert hatte, war die Hoffnung. Die Hoffnung auf ein schönes Jahr mit vielen tollen, spaßigen, gesunden, leidenschaftlichen und friedvollen Momenten. Nicht die Situation hat sich verändert, nur die Hoffnung. Die war da, hat unterschwellig Purzelbäume geschlagen. Die freut sich schon auf das was kommt.


Die ersten Tage des neuen Jahres war ich irgendwie traurig, irgendwie uneins mit mir. Ich war unruhig innerlich und ängstlich. Das ist verständlich – immerhin wir wissen ja nicht wie das neue Jahr wird und welche Herausforderungen uns diesmal begegnen. Das einzige was wir haben sind unsere Träume und Sehnsüchte, unsere Pläne und Vorsätze. Es ist der Jahreswechsel, der uns dieser wieder bewusster werden lässt.

Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne. 

Nämlich der Zauber einer neuen Chance, sein Leben – wenn auch im Kleinen – zu verändern und es dort besser zu machen was wir im letzten Jahr nicht so gut gemacht haben.

Meine erste Lektion in diesem Jahr: Wer für sich einsteht und eigenverantwortlich handelt, dem geht es sofort besser- auch wenn sich an der Situation an sich nichts geändert hat. Ein kleines Beispiel: Da ich nun wochenlang kränkelnd abwartete, dass sich Grippe und Bazillen verabschiedeten, gab mir mein Bauch am Wochenende das deutliche Signal, dass es nun genug ist. Erst versuchte ich ihn zu ignorieren, versuchte nicht an die Schmerzen zu denken, mit denen er mich wachrütteln wollte. Dann versuchte ich mit ihm zu verhandeln. Nahezu einen ganzen Tag diskutierte ich. Und am Ende kapitulierte ich vor ihm. Eine liebe Freundin, von der ich stets viel lerne, gab mir dann den Rest und waschte mir gehörig den Kopf. Also entschied ich mich nun, doch um Hilfe zu bitten und zum Arzt zu gehen. Ich würde eine Lösung finden, um wieder gesund zu werden. Die Ärzteschaft ist immer eine große Herausforderung für mich, denn ich lasse mich dort zu sehr von meiner Angst geißeln und bringe es fertig, nicht konkret zu sagen was ich möchte und gehe oft unzufrieden nach Hause. Diesmal – so nahm ich mir vor – würde ich mich nicht abspeisen lassen, ich würde all meine Punkte vorbringen, ich würde klar und ruhig vorbringen, was ich möchte.
So mutig wie ich am Sonntag abend war, so ängstlich war ich am Montag morgen. “Ist doch alles nicht so schlimm”, versuchte ich mir einzureden. “Komm, stell Dich nicht so an”, zwang mich mein innerer Kritiker in die Knie. Aber ich widerstand dem Drang, nichts zu tun, denn ich spürte, dass ich jetzt für meine Gesundheit sorgen muss und es einfach keinen anderen Weg gibt.
Ich ging also zum Arzt und was soll ich sagen: Es war einfach wunderbar. Alles geschah so wie ich es mir erhofft hatte. Ich ging nach Hause mit mehr Klarheit und Wissen, mit dem Gefühl, für mich gesorgt zu haben – fürsorglich, mitfühlend und eigenverantwortlich. Nichts hatte sich an der Situation, dass es mir nicht so gut geht, geändert. Aber die Einstellung dazu, das Gefühl zu mir – das hat sich geändert. Ich war regelrecht beflügelt und bedankte mich mit einer Welle Mitgefühl bei meinen armen Körper, dem ich so lange nicht zuhören wollte.

In einem Buch von Russ Harris mit dem Titel “Wer vor dem Schmerz fliegt, wird von ihm eingeholt” schreibt Russ über die drei Möglichkeiten, wir wir uns in einer Krisensituation verhalten können:

1. Laufe weg

Mit Weglaufen meint der Autor, dass wir uns meistens ablenken, um nicht an das Problem denken zu müssen. Wir fangen an zu essen, wir greifen zur Zigarette, zu Alkohol oder gar zu Drogen. Wir schalten den Fernseher ein, lesen, telefonieren mit einem Freund oder tun irgendetwas anderes, das unsere Aufmerksamkeit abzieht. Wir tun so, als gäbe es die Krise oder das Problem nicht und distanzieren uns so davon. Meine Therapeutin liebt diese Ablenkungstaktik. In größten Angstzuständen sollte ich mich ablenken, in traurigen Momenten mich ablenken und so weiter. Ich unterstütze diesen Ansatz nicht. Für andere mag es hilfreich sein, aber ich neige dazu, mich immer abzulenken, anstatt mir meine Gefühle und Probleme anzuschauen. Und ablenken ist auf Dauer keine Lösung – sie verhilft uns nicht dazu, eigenverantwortlich zu handeln und die Handlungen vorzunehmen, die nötig sind. Auch sind wir in diesem Moment nicht mit uns verbunden, d.h. wir entfernen uns von unserem ureigenen Wertesystem.

2. Akzeptiere die Situation und ändere, was zu ändern möglich ist

Dies habe ich gestern getan. Mich nicht länger abgelenkt und das Problem runtergespielt, sondern dort gehandelt, wo es möglich war. Ich habe konkrete Schritte unternommen, um meine Situation zu verbessern und eigenverantwortlich zu handeln. Ich habe mich nicht länger gegen das Kranksein aufgelehnt, meine Ängste wahrgenommen und als solche akzeptiert – und dann gehandelt.

3. Akzeptiere die Situation und lebe nach den eigenen Werten

Es gibt Situationen, in denen können wir nichts tun, um sie zu ändern. Wenn man im Gefängnis sitzt, kann man daran nichts ändern. Wir können auch keine Scheidung rückgängig machen (überwiegend), wir können Tote nicht lebendig machen und chronische Krankheiten nicht wegzaubern. Aber wir können immer noch nach den eigenen Werten leben. Nelson Mandela tat dies bilderbuchhaft. Er saß zwar im Gefängnis, seine Werte Freiheit, Gleichheit und Bildung verfolgte er dennoch. Mandela arbeitete während seiner Haft in einem Steinbruch und richtete dort heimlich eine Schule ein, in der Häftlinge nach der Arbeit lernen konnten. Als ihm fünf Jahre vor Ende seiner Haftzeit ein Deal angeboten wurde, in dem er freigelassen werden könne, wenn der African National Congress seinen bewaffneten Kampf gegen die Apartheid aufgebe, lehnte er ab. Hätte er das Angebot angenommen, hätte er entgegen aller Werte gehandelt, die ihm wichtig waren – nämlich die der Freiheit und Gleichheit, gegen Unterdrückung und soziale Ungerechtigkeit.Wir können also manche Situationen nicht ändern, aber uns und unseren Werten treu bleiben.

Wir können uns in jedem Moment neu entscheiden

Wir haben zu jeder Zeit und in jedem neuen Moment die Freiheit, uns für einen anderen Weg zu entscheiden. Wenn wir heute wieder zur Schokolade gegriffen haben, um unsere Leere zu füllen und unsere Traurigkeit nicht mehr fühlen zu müssen, so können wir morgen anders handeln. Gleichzeitig sollten wir nicht krampfhaft immer handeln wollen und uns am kämpfen abarbeiten. Das raubt nur unnötig Energie. Dann können wir das momentane Gefühl oder das aktuelle Problem akzeptieren, dass es jetzt da ist und uns aus der Bahn wirft. Wir können den Moment nutzen, um uns selbst Mitgefühl zuteil werden zu lassen statt uns mit Selbstkritik zu überhäufen und damit noch mehr Energie zu rauben. Aber wir sollten auch unsere Zügel nicht zu locker lassen und das Problem klein reden. Diese ungeklärte Energie würde unsere Aufmerksamkeit stören, Unruhe macht sich breit. Und wie das meist so ist – wenn wir mit aller Macht nicht hinsehen wollen, zeigt uns das Universum auf noch härtere Art und Weise, dass wir jetzt bitte doch mal hinschauen sollen.

Um nach unseren Werten zu leben, müssen wir natürlich erst einmal wissen, welche Werte uns überhaupt wichtig sind. WAS ist mir wirklich wirklich wichtig im Leben? Ich habe festgestellt, dass ich viele Werte habe, vieles was mir wichtig ist im Leben. Gesundheit. Humor. Klarheit. Sicherheit. Schönheit (mich selbst schön fühlen, aber auch eine schöne Wohnung). Genuss. Liebe (zu mir und zu anderen). Gemeinschaftsgefühl (mit anderen sein). Mitgefühl. Mut. Spiritualität.

Wenn wir wissen, für was wir im Leben stehen, kommen wir unserem Lebenszweck immer näher. Und wir bleiben in Kontakt. Mit uns und mit anderen, mit der Natur und anderen Lebewesen.

Gestern habe ich nach meinen Werten Klarheit und Mut gehandelt. Und eine Brise Humor und Mitgefühl einfließen lassen. So bin ich meinem Wert Gesundheit wieder ein Stück nähergekommen.

Ich wünsche euch ein Jahr voller Freude, basierend auf euren Werten und dem Mut, bei Herausforderungen den richtigen Weg zu ihrer Bewältigung zu wählen.

 

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2 Comments

  • Reply Tim Januar 7, 2014 at 6:40 pm

    Hey Tanja,

    Du schreibst “Nicht die Situation hat sich verändert, nur die Hoffnung.” … warum denn das “nur”? – Die Hoffnung ist doch ne mächtige Sache.

    Hoffen gehört für mich auch zu dem ganzen “Für-sich-selbst-sorgen”. Und auch zur Gesundheit, die für Dich ja sehr weit oben steht.

    LG und n schönen Abend Dir! :)

    Tim

  • Reply Tanja Januar 7, 2014 at 7:30 pm

    Ein kleines, aber feines Wort..das “nur”. Du hast recht, Hoffnung ist was ganz schön Großes. So schreibe ich besser: Nicht die Situation hat sich verändert, aber die Hoffnung. :-) Einen schönen Abend zurück
    Tanja

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