Oh Frau, du wunderschöne, einzigartige, geh hin und beginne zu träumen

Copyright by Jesus Solana/flickr.com

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Mein Körper zwingt mich zum Innehalten. Es ist immer noch schwierig, meine schwache Seite anzuerkennen und anzunehmen. Aber darum soll es heute nicht gehen.

Nächstes Jahr werde ich 30. Ein magisches Alter für Frauen. 30 ist die neue 20. Genauso jung müssen wir aussehen, genauso unbekümmert sein und ein Herz haben als hätte es nie geliebt. So viele Jahre sind vergangen und ich habe scheinbar erst an der Oberfläche meines Eisberges gekratzt. Dass so viel verborgenes in mir ist, was entdeckt werden will – daran habe ich mit 20 nicht gedacht. Ich habe auch nie über meine Rolle als Frau in dieser Welt nachgedacht. Erst in den letzten Monaten, die ich fast gänzlich nur noch mit Frauen verbringe, mit starken, wundervollen, schönen Frauen. Wir alle haben uns auf die Suche begeben nach der Frau in uns. Auch führte ich in den letzten Tagen Gespräche über Familie oder keine Familie, Single-Sein, den “Richtigen” finden u.s.w. und ich beobachtete drei Kategorien von Frauen, bei denen immer wieder die selben Themen auftauchen. Und so frage ich mich heute: Gibt es nicht mehr nur DIE eine Rolle der Frau, sondern mehrere? Und wo liegen ihre spezifischen Herausforderungen, wo Unterschiede und Gemeinsamkeiten?

Den wahrscheinlich letzten Post in diesem Jahr möchte ich deshalb unserem wunderbaren Geschlecht widmen, denn es scheint mir immer noch, als käme dieses in unserer heutigen Zeit zu kurz.

Es gibt drei Kategorien Frauen, die sich in meinem Freundes- und Bekanntenkreis herauskristallisieren (normalerweise mag ich keine Kategorisierungen, da sie einem begrenzten Schubladendenken gleichen, aber in diesem Fall mag ich mich diesem Verfahren bedienen):
Da ist die Mama, die voll in ihrer Rolle als Mutter aufgeht, die ihr ganzes Leben dieser Aufgabe widmet – und ihr eigenes Glück dabei manches Mal auf der Strecke bleibt. Ob alleinerziehend oder in Partnerschaft, diese Frauen scheinen einen Sinn im Leben gefunden zu haben, der über allem strahlt. Ihr Streben ist, ihren Kindern eine gute Kindheit zu bescheren. Ihr Lachen, ihr Glück, das sind die Dinge, die sie antreiben. Diese Frauen kümmern sich wenig um sich selbst, schieben ihre Träume immer wieder in den Hintergrund – meist bis die Kinder groß und aus dem Haus sind. Dann beginnt eine neue Zeitrechnung, sie lernen sich dann erst richtig kennen und manchmal bleibt da eine große Leere an dem Platz, den einst die Kinder beanspruchten.

Weiterhin gibt es die Karrierefrau. Ihr Inhalt ist die Arbeit. Oft arbeitet sie bis in die Nacht, kehrt heim in eine leere Wohnung, die – wenn überhaupt – von einer Katze bewohnt wird. Zwischen Kantine und Überstunden versucht sie sich gesund zu ernähren, macht einmal im Jahr eine Entgiftungskur und zwingt sich nach der Arbeit noch ins Fitnessstudio. Sie macht Single- oder Sprachreisen, hat viele Freunde, die sie aber nur selten zu Gesicht bekommt oder die sich im Umfeld ihrer Arbeit befinden. Hier kommt die Wende meist mit dem Burnout, Ende 20 bis Anfang 30, oder mit der tickenden Uhr Ende 30, wo sie feststellen, dass die Arbeit doch nicht alles im Leben ist. Dann sehnt sie sich nach dem Ankommen in einer Familie (s.o.), weil sie festgestellt hat, dass der Karriereweg sie schonmal nicht glücklich gemacht hat. Also muss es der andere Weg sein, richtig? Damit beginnt für die Karrierefrau die Unzufriedenheit, die Suche und ein Gefühl der Leere, wenn sie sich bewusst wird, dass es eben nicht so einfach ist, den Vater für ihre Kinder zu finden und eine glückliche, harmonische und ebenbürtige Beziehung – gar Ehe – zu führen.

Als drittes gibt es die Mischfrau, die den spirituellen Pfad beschreitet. Sie hat weder Familie noch ist sie rein auf Karriere gepolt. Die Mischfrau sucht schon lange nach dem Sinn in ihrem Leben. Sie hat viele Fragen, deren Antworten sie in Büchern oder im Rahmen spiritueller Gruppen und Übungen sucht. Diese Frau kommt selten zur Ruhe, sie fühlt sich nie wirklich angekommen. Ihre Suche nach einem inneren Zuhause begleitet sie durch ihren Alltag. Manchmal sind es Ereignisse in ihrem Leben, die sie auf die Suche gebracht haben. Körperliche oder sexuelle Gewalt in der Kindheit, Krankheiten, Außenseiter-Dasein in Kindergarten und Schule, schwerwiegende Verluste – solche Ereignisse bringen uns dazu, die Grundsäulen unseres Lebens zu hinterfragen. Einen Sinn dahinter zu finden und neuen Halt wo altes zerbrochen ist.

Egal welcher Rolle wir uns zugeordnet fühlen – in allen erkenne ich eine Zerrissenheit, die unsere Gesellschaft zu durchziehen scheint. Was ist mit der Rolle der Frau von früher? Wir, die Muttertiere, die ihre Schäfchen im Krieg beschützten. Wir, die Gründer, die zerstörte Leben nach dem Krieg wieder aufbauten. Waren unsere Mütter und Großmütter stärker als wir es heute sind? Hatten sie Ängste? Und was haben sie mit ihnen gemacht? Warum ist das Leben heute so kompliziert geworden? Oder ist es das gar nicht und es scheint mir nur so? Warum spüre ich in jede dieser für uns heute typischen Frauenrollen eine Leere und Unzufriedenheit, weil keine dieser Rollen der Vielfältigkeit der Frau in unserer heutigen Zeit gerecht wird?

Die Erwartungen an die Frau sind ebenso vielfältig. Unter Frauen ist die Mutterrolle eine gern gesehene und akzeptierte (sofern es selbst Mütter sind). Karrierefrauen werden gern direkt abgelehnt – sowohl von Frauen als auch von Männern. Genauso die spirituelle Frau, sie wird schief beäugt und meist unverstanden. In Gesprächen gibt es dann diese Handbewegung, mit der unwichtiges unterstrichen wird. Jaja, die Birgit…, die ist da ein bisschen anders.
Allen drei Rollenbildern ist eines gleich: Sie alle tragen die Sehnsucht nach dem was der andere hat, in sich. Das Muttertier möchte gerne mal ausbrechen, mal verrückt sein, unabhängig sein – finanziell und familiär, sie möchte sich gerne verwirklichen (das mache ich dann, wenn die Kinder groß sind). Die spirituelle Frau sehnt sich nach Ankommen – vielleicht in einer Familie, vielleicht in einem Job, der für sie Berufung ist. Und die Karrierefrau? Sie wünscht sich nichts sehnlicher als dass eine Familie auf sie wartet, wenn sie nach einem langen Arbeitstag nach Hause kommt.

Warum also können wir uns unserer Rolle nicht einfach entledigen und unsere Grenzen, die wir uns selbst geschaffen haben, erweitern? Können wir uns gegenseitig inspirieren? Bereichern, auffangen, herzen? Wir Frauen sind ein ungewöhnliches Geschlecht. Wir tragen alles in uns und doch besitzen wir eine Kraft, die ganze Leben bewegt. Eine Kraft, die sowohl zerstörerisch als auch zusammenbringend sein kann. Eine Kraft, mit der wir unsere Fesseln sprengen und das Leben leben können, wovon wir träumen.
Ich träume von einer Familie UND meiner Berufung. BEIDES ist möglich, ALLES ist möglich. Wir sind die Herrin unserer Schöpfungskraft. Wir müssen nicht warten, bis die Kinder groß oder wir krank sind. Wir können auch jetzt schon wagen, glücklich zu sein. Wenn wir unseren Kindern nicht beibringen, zu träumen und das es möglich ist, sich seine Träume zu erfüllen – WAS sollen wir ihnen dann beibringen??? Oh Frau, Du wunderschöne, einzigartige, geh hin und beginne zu träumen!
Und wenn wir unseren Vorgesetzten nicht Menschlichkeit vorleben – WIE sollen sich die Werte in unserer Wirtschaft verändern? Geh hin und verbreite Menschlichkeit, Mitgefühl und Liebe!
WIR, die Frauen, sind es, die der Welt und dem Leben Werte einhauchen. Und Liebe, und Emotion, und Leben.
Wir alle sind einzigartig und jede von uns hat es verdient, das beste und schönste Leben zu führen ohne Leere, ohne Zerrissenheit, sondern in Ganzheit, in Vollkommenheit.

 

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