Schreiben.

Schreiben. Gegen die Schwere im Herzen. Gegen die Atemlosigkeit. Gegen den Beton, der mir auf der Lunge liegt. Gegen die Kälte, die in mir einen Kampf gegen Hitzewellen führt. Schreiben gegen die Wortlosigkeit. Gegen das sich doof finden. Gegen das nicht genug. Nur genug Worte, genug gute Worte, die alles sagen. Gegen Tränen anschreiben und die Wut, die irgendwo in den Venen vibriert. Und für Träume. Für die Tiefe, die lange vergraben war. Schreiben gegen die Hoffnungslosigkeit und für die Hoffnung. Gegen die Schwärze und für das Licht. Schreiben für das Leben und gegen den Tod.

Schreiben, nur für Dich. Für Dich, der Du hättest sein können. Und der, der Du heute bist. Schreibe Dich, in all Deinen Farben, in all Deinen Mustern. Schreib Dich rund. Schreib Dich bunt.

***

Mama hör auf zu labern. Du laberst immer den gleichen Scheiß. Als hättest Du nur einige wenige Worte im Repertoire. Lies mehr Literatur Mama, dann kannst Du die Scheiße wenigstens in schöne Worte kleiden. Mama Du bist oberfaul. Unecht. Du bist nicht Du. Hast Du selbst gewusst, dass Du nicht Du bist? Kennst Du Deine Schmerzen und spürst Du, wie sie in Dir wüten? Spürst Du die Kälte, die in Dir ist und wie sie alle um Dich herum erstarren lässt? Mama, tust Du Dir eigentlich selber leid? Oder tut Dir irgendjemand leid, den Du gequält hast? Hörst Du Dir manchmal selber zu und langweilst Du Dich dabei auch so wie ich? Auch wenn Du nicht mehr da bist, spult sich Deine Kassette immer noch in meinem Kopf ab. Und sie erzählt immerzu den gleichen Scheiß. Mama, hör auf zu labern. Du erzählst so viel Müll. Oh ja, so viel Müll! Und weißt Du wie ich lächele, wenn ich daran denke? Ich amüsiere mich über Dich. Und ein bisschen tust Du mir leid, aber nur ein wenig. Nicht zu viel, nicht so sehr, dass Du entschuldigt wärst. Scheiße labern ist nicht zu entschuldigen. Ich unterstelle Dir einfach Unwissenheit. Nicht wissen in Sachen Mütterlichkeit. Es macht Spaß, Dir zu sagen, was Du für einen Scheiß redest. Ich lache laut. Dabei weine ich. Ich liebe das Wort. Scheiße. Du sagtest immer, dass ich scheiße bin. Aber eigentlich meintest Du doch Dich. Eigentlich meintest Du immer Dich. Deine Welt dreht sich nur um eine Achse, dreht sich nur um Deinen eigenen Kreis. Und manchmal hast Du Dich zuviel gedreht, dann hast Du Dich selbst in Deinem eignen Kreis verloren. Immer wieder Migräne. Arme Mama. Was ist nur aus Dir geworden. Hast Du Dich nicht manchmal gefragt, was aus Dir hätte werden können, wenn Du nur einmal Liebe zugelassen hättest? Hast Du Dich nicht einmal gefragt, wie Dein Herz wohl reagiert hätte, wenn Du es geöffnet hättest für jemand anderen als nur für Dich selbst? Manche Dinge, Mama, gehen nie vorbei. Deine Worte zum Beispiel. All die Scheiße müssen wir für Dich schlucken. Das hat mich krank gemacht Mama. Du hast mich krank gemacht. Aber ich bin Dir nicht böse, ich war es, aber jetzt denke ich nur: Hör einfach auf, zu labern. Und scher Dich zum Teufel.

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