Vom Spiegeln und gespiegelt werden – eine Erkenntnis

Copyright by come1990/flickr.com

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Auf einer Party sagte mir heute eine Freundin, dass sie sich oft in mir sehen würde und ich ihr Dinge spiegele, die ihre Themen sind. Ich war überrascht. Ich? Was sollte ich ihr – einer Frau, die doch um einiges mehr an Lebenserfahrung hat als ich – schon spiegeln sollen. Es ist ein komisches Gefühl, wenn dies so offen ausgesprochen wird. Versuchen wir doch im Alltag eher unseren “Arschengeln” aus dem Weg zu gehen. Wir wollen sie meiden, diese bösen Arschengel, wir mögen diese Personen meist nicht besonders.
Ich sehe mich selbst manchmal am Rechner sitzen und merke wie mir bei einigen Kommentaren, die von – meistens den gleichen – Personen auf Facebook gepostet werden, die Haare zu Berge stehen. Jedesmal ärgere mich. Jedesmal überlege ich, den Kontakt zu dieser Person abzubrechen. Was eine Frechheit! Wie kann er sich das nur erlauben, SO ETWAS zu schreiben. In mir brodelt es, mancher bekäme einen roten Kopf oder rote Pusteln am Hals. Ich schlucke meist den Ärger hinunter und damit ist das Thema vergessen. Bis zum nächsten Kommentar.

Und nun wird es offen ausgesprochen. Ich werde damit offen konfrontiert. Und ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, wo ich ihr einen Anlass gegeben habe, dass sie eventuell genauso wütend ist auf mich wie ich auf manch andere Person. Dass sie von mir gar einen roten Kopf oder rote Pusteln am Hals bekommen könnte. Bin ich also auch ein Arschengel. Das sitzt.

Auch wenn wir es nicht wissen, weil es bisher noch keiner offen ansprach: Wir sind mit Sicherheit alle ein Arschengel für jemand anderen. Es gibt irgendjemand da draußen, den auch DU zum Wahnsinn treibst. Kein schönes Gefühl? Tja, ich weiß, aber es ist die Wahrheit. Das passiert, weil diese Person irgendeine Eigenschaft, eine Art, ein Wort von Dir, sie an etwas erinnert, an was sie nicht gerne erinnert werden möchte. Wir wollen alle unseren Blockaden aus dem Weg gehen, sie am Besten ganz hinten im Schrank verstauen. Selbst Menschen, die sich täglich damit beschäftigen, sie zu beseitigen, selbst deren Blut gerät in Wallung, wenn sie einem Menschen begegnen, der sich Dinge auszuleben erlaubt, die man selbst nicht wagt auszuleben.

Ist das nicht ein beruhigender Gedanke, dass wir alle für jemanden bestimmt sind, ihn in seinem Leben weiterzubringen? Dass es irgendwo einen unsichtbaren “Coach” gibt, der einem auf den Kopf zusagt, wo die Blockaden liegen? Warum geben wir dafür nur Unmengen an Geld aus, wenn wir diese Lehrstunde tagtäglich in unserem sozialen Umfeld durchleben können?

Und ist es nicht wunderbar, dass wir davon nicht einmal etwas wissen? Sondern diese innere Wandlung beim Anderen ohne unser bewusstes Zutun entsteht?

Ich musste erstmal darüber nachdenken, wie ich das finde, dass sich meine Freundin an mir aufreibt. Dass ich ihr gar ungute Gefühle bereiten könnte obwohl das niemals meine Absicht wäre.
Letztlich ist mir dadurch jedoch eine Sache klar geworden. Nicht nur ich spiegele sie. Auch sie spiegelt mich. Dies habe ich dadurch erkennen dürfen. Das werde ich ihr auch nochmal sagen – im Vertrauen allerdings. Und jetzt finde ich das gar nicht mehr doof, dass es nun ausgesprochen ist. Jezt haben wir die Chance, aus diesem anfänglichen Hindernis eine Brücke zu bauen. Eine Brücke zu unserem ureigenen Selbst, das hinter all den eigenen Blockaden und Widerständen wohnt.
Wir können uns in Zukunft ganz offen spiegeln – und haben vielleicht noch Spaß dabei uns aneinander zu verändern :-)

<3

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