Von Blümchensex, Visionen und sinnlosen Kämpfen

Copyright by BK/flickr.com

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Heute sorge ich mich. Morgen tobe ich. Und übermorgen lasse ich los. Dieses ganze Wechselbad an Emotionen überfordert mich. Belehrungen nerven mich. Ich kann das alleine – und doch nicht. Ich rege mich auf, über mich und über andere. Dann bin ich wieder liebevoll und nachgiebig – mit mir und mit anderen. Ich werfe mich zornig gegen meterhohe Wellen und lasse mich danach erschöpft mit ihnen an den Sandstrand treiben. Wenn ich mich dann umdrehe und in den blauen Himmel schaue, beobachte ich die Möwen, die über mir schreien. Sie lachen mich aus. Wie dumm ich sei, mit den Wellen zu kämpfen. Manchmal treibe ich nach so einem Kampf noch sanft im Wasser. Wasser das nicht zu fühlen aber doch irgendwie da ist. Wenn die Sonne scheint, ist das Wasser angenehm warm. Die Sonnenstrahlen tanzen dann auf ihm Tango. Leidenschaftlich. Wie liebevoller Blümchensex. Nach dem Höhepunkt kuscheln wir, wir sind friedlich.

Wenn das Wasser kalt ist, wehre ich mich dagegen. Ich wehre mich dagegen dass ich mich unwohl fühle, ungeschützt, verletzlich. Jede Welle ist ein Schwerthieb in meine Brust. Der Atem stockt, weicht manchmal ganz hinfort. Ich strampele zornig mit Armen und Beinen, um mich warm zu halten. Manchmal umpirschen wir uns wie Beute und werfen uns in einem schwachen Moment wild in die Arme. Ich gehe unter. Ich fluche. Ich streite mich mit dem Wind. Ich lasse ihn nicht wie er ist. Ein sinnloser Kampf. Und so bin ich ein ahnungsloser Fisch im Spiel der Gezeiten – ein Fisch, der aufstehen und einfach weggehen will. Oder da bleibt, wenn er gehen sollte.

In meiner heutigen Meditation hatte ich eine Vision. Es passiert mir oft, dass dort Bilder erscheinen. In ihrer vollen Farbenpracht bahnen sie sich den Weg in mein Bewusstsein. So gab es beängstigend realistische Bilder von mir mit meiner Familie, ein lachender Mann und da sind zwei kleine Mädchen und ein Hund. Oder Bilder, in denen ich meditierend an allen möglichen Orten der Welt sitze. Ob auf einer Bergspitze, am Meer, unter einem Baum. Zusammen mit Gleichgesinnten. Wie friedlich ich dann bin, mit und in diesen Bildern. Sie sind wie ein Traum, dabei träume ich nicht. Ich denke sie mir auch nicht aus – so viel Schönheit könnte mein getrübtes Bewusstsein gar nicht erschaffen.
Heute stand ich vor einer Wand. Sie war mit einer dunklen Tapete zugeklebt. Und ich sah mich, wie ich Stück für Stück die Tapete von der Wand riss. Ich sah, wie dahinter die pure reine Sonne zum Vorschein kam. Die allesfüllende Helligkeit bahnte sich einen Weg durch die Stellen, die ich schon befreit hatte. Ich nahm meine blanken Hände, um die Wand – ja um mich von der Dunkelheit zu befreien. Was ein merkwürdiges Bild… und doch lässt es mich nicht los.
Ich verstehe mich manchmal nicht. Ich verstehe manchmal andere nicht. Ich verstehe manchmal gar nichts. Doch es sind diese klitzekleinen Momente, die mir wieder Mut machen und die mir die Liebe in mir zurückgeben. Ich fühle wie die Dunkelheit in mir weicht und helles Licht mich erfüllt.

 

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