Warum nur EINE Entscheidung Dir Dein Leben zurückgeben kann

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Ich habe es getan! Ich habe eine Entscheidung getroffen! Ihr werdet lachen, aber das habe ich tatsächlich in meinem Leben zuvor noch nicht getan. Jetzt werdet ihr sagen: Quatsch, sie hat sich doch für ihren Studiengang entschieden, dafür, dieses und jenes Praktikum zu machen oder bei dieser Firma anzufangen. Oder für den und den Mann entschieden. Nein. Das war nicht bewusst. Nicht so bewusst, wie man bewusst Entscheidungen treffen sollte. Ja, sicherlich habe ich mich auf Beziehungen eingelassen, weil ich mich verliebt oder mit dem Menschen wohl gefühlt habe. Aber war das wirklich eine Entscheidung? Habe ich mich nicht vielmehr treiben lassen? Bin ich nicht vielmehr auf der Welle geschwommen, der Dinge oder Menschen, die gerade AUF MICH gestoßen sind?

Nun kann man sagen, das ist doch toll, sich einfach treiben lassen. Das ist es tatsächlich, wenn man eine starke Persönlichkeit mit Selbstvertrauen ist. Dann ist es toll, seinen Kopf mal auszuschalten und sich treiben zu lassen.

Ist man jedoch ein Mensch, der sich allzu gerne selbst in die Opferrolle bringt…der mehr “reaktiv” handelt und der nicht in der Lage ist, sich bewusst für oder gegen etwas oder jemanden zu entscheiden…dann ist es nicht gut. Dann führt das sich treiben lassen vielmehr dazu, sich auf dem Auszuruhen, was einem so im Leben begegnet. Und wartet stetig darauf, dass von außen Entscheidungen getroffen werden. Man wird gekündigt. Prima! Der Partner trennt sich. Prima! Nur wundert man sich irgendwann, dass man nicht glücklich ist. Dass das Leben nicht das ist, von dem man träumte. Und nicht mehr weiß, was man eigentlich möchte.

Ich habe mich zum Beispiel noch nie von einem Mann getrennt. Ich habe ihn entscheiden lassen. Oder die Umstände, die dafür sorgten, die ihn dazu zwangen, es zu tun. Klar war ich oft unglücklich. Oft so sehr, dass ich mich eigentlich trennen wollte. Aber ich harrte aus. Wie ein sturer Bock, unfähig einen Schritt in eine Richtung zu tun.

Oder beruflich. Ich konnte mich einfach nicht entscheiden, was ich wollte. So gleitete ich weiter auf meiner Welle, bis sie mich irgendwann verschlang, ich überrascht nach Luft schnappte und eine Menge Wasser schluckte. Dann traute ich mich nicht mehr auf die Welle, ich blieb an Land, mit den Füßen im seichten Wasser…und schaute sehnsuchtsvoll aufs Meer.

Ich hatte immer Angst, wenn ich eine Entscheidung treffe, dass sie nicht richtig ist. Und es mir hinterher schlechter geht als vorher. Das ließ mich feststecken, ich kam keinen Schritt weiter.

Jetzt ist Schluß damit. Ich habe die Lösung gefunden.

Einfach mal eine Entscheidung gegen etwas treffen.

Ich habe vor ein paar Tagen eine Entscheidung GEGEN jemanden getroffen. Ich habe mich entschieden, mich von einer Person zu trennen, die mich das letzte Jahr begleitete. Wo ich aber schon sehr bald zweifelte und das Gefühl hatte, dass das nicht richtig passt. Aber ich hatte nicht den Mut, eine Entscheidung zu treffen. Und so verharrte ich – ein Jahr lang. Die aktuelle Situation, dass ich in einem neuen Schub bin und in diesem Zusammenhang allerlei Herausforderungen auf mich trafen, brachte mich dazu, darüber nachzudenken. Und ich kam zu dem Schluß, dass ich das nicht mehr möchte. Dass ich mir jemand anderes wünsche und mich nicht länger mit einem Kompromiß zufrieden geben möchte. Die Entscheidung war ziemlich schnell klar, ich war sichtlich erleichtert, mein Bauchgefühl war eindeutig. Das Schwierige war, die Entscheidung auch auszusprechen gegenüber der Person, die sie betrifft und es damit final zu machen. Ich hatte wahnsinnige Angst vor der Reaktion. Ich war sehr nervös. Ich wollte nichts falsch machen, der Person nicht weh tun.
Aber hey! Es war gar nicht schlimm! Es war ganz leicht :-) Es war sogar eine Befreiung. Ich kann euch nicht sagen, wie toll dieses Gefühl ist. Zum ersten Mal in meinem Leben habe ICH entschieden, was ich nicht will. Und stand dazu. Genial.

Und weils so schön war, habe ich auch gleich beruflich einige Entscheidungen getroffen. Oder besser: Mich auf die Dinge, die ich plane, jetzt vollen Herzens eingelassen. Obwohl ich wegen der Medikamente momentan wenig Energie habe, bin ich voller Tatendrang. Ich habe richtig Lust, mein Leben endlich zu gestalten. So wie ich es möchte. Ich habe das Gefühl, wieder auf dem Wasser zu sein. Auf der Welle zu reiten (nicht zu treiben). Ich reite die Welle, ja, ich reite die Welle.

Es ist nicht einfach, aus der Opferrolle rauszutreten und zu einer selbstbestimmten Persönlichkeit zu werden.

Es ist nicht einfach, Entscheidungen zu treffen. Aber jetzt wo ich es das erste Mal gemacht habe, weiß ich, es ist gar nicht schwer – denn es gibt kein richtig oder falsch. Ich kann morgen meine Meinung ja wieder ändern, sollte es wirklich sooo schlimm sein (das glaube ich nicht! ;-) ).

Es ist nicht einfach, auch zu seinen Entscheidungen zu stehen und sie der Person gegenüber auszusprechen, die sie betrifft. Aber das ist unsere Pflicht, der Respekt der anderen Person gegenüber. Es unausgesprochen zu lassen gleicht einem stückweisen Tod dessen was noch da ist. Gleichzeitig verbleiben wir in unserer Opferrolle, weil wir nicht zu UNS und unserer Entscheidung stehen. Dann kann man es auch gleich sein lassen. Der wirkliche Unterschied ist, sie auszusprechen und dazu zu stehen. Das verändert alles.

Probier es mal aus, mach es gleich morgen. Triff eine Entscheidung, die Du schon lange vor Dir herschiebst. Und dann sprich sie aus. Rede darüber, sprich über Deine Gefühle, darüber, warum Du so entschieden hast. Sei dabei liebevoll zu Dir, aber auch zu Deinem Gegenüber. Es wird euch beide einen riesen Schritt weiterbringen. Und Dich wird es befreien.

 

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