Warum selbst das Lernen nicht leicht ist zu lernen

Copyright by Dietmar Temps

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So wie ein Anruf mein komplettes inneres Haus zum Einsturz brachte, so hat mich der gleiche Anruf dazu gebracht, über mich hinaus zu wachsen. Es ging mir wirklich übel in den Tagen nach dem Anruf. Jetzt, knapp eine Woche später, bin ich super stolz auf mich. Und ich frage mich: Geschehen (manche/alle) Dinge also tatsächlich, damit wir – die Menschen – lernen und uns weiterentwickeln können?
Ich habe so viele Tiefschläge einstecken müssen in den letzten Monaten. Habe vor so vielen Hindernissen atemlos und ohnmächtig gestanden. Und doch lernte ich nicht, sie zu überwinden. Ich fühlte mich wie ein Kind, das laufen lernt, aber nach dem ersten Hinfallen nicht mehr aufstehen kann. Es will aufstehen, aber es konnte nicht. Also robbte ich auf allen Vieren auf dem Boden entlang und stieß dabei gegen noch mehr Hindernisse, die ich vielleicht hätte übersteigen können, hätte ich gelernt, wieder aufzustehen.

Und nun. Ein Anruf. Und ich lerne. Ist das nicht verrückt? Ich glaube, ich habe mich zum ersten Mal seit langer Zeit einem Problem strukturiert und besonnen genähert. Ich habe mir – was rein instinktiv geschah – zwei Tage eine “Sorgenpause” gegönnt, bevor ich – rein instinktiv – eine “Problembewältigungscheckliste” erstellte. Dies alles geschah so mechanisch, so wenig durchdacht, nur aus totaler Verzweiflung und Ohnmacht heraus, dass mein Verstand diesen völlig neuen Weg nicht mit einem winzigen Gedanken wieder zerschmettern konnte.

Meine normale Reaktion wäre folgende gewesen: Ich hätte mir tagelang Sorgen gemacht. Gedanken gewälzt. Gedanken, aus denen immer neue Gedanken entstehen, ein unendliches Strickmuster, bei dem keiner mehr durchblickt. Dann hätte ich meine Hilflosigkeit bedauert, mich für meine Handlungsunfähigkeit bemitleidet. Ich hätte andere Menschen um Rat gefragt, denn mein logischer Verstand funktioniert in solchen Situationen nicht mehr. Klick – einfach ausgeschaltet. Und so wären Tage vergangen. Vielleicht auch Wochen, bis ich gezwungen werde, irgendetwas zu tun. Etwas völlig kopfloses, spontanes, undurchdachtes. Und die ganze Zeit davor und danach wäre ich – mit mir und der Situation – unzufrieden gewesen. Ich hätte mich selbst abgewertet. Mich selbst gehasst.

Können wir Menschen erst lernen, wenn uns etwas derart aus den Schuhen haut, dass sich unser Verstand von selbst für eine Weile ausschaltet? Werden wir handlungsfähig durch Handlungsunfähigkeit?
Wie machen all die Menschen da draußen das. Manchmal denke ich, nur ich stehe auf meinem eigenen Schlauch. Und peile nicht, wie das Leben läuft.

Früher hatte ich zu allem eine klare Einstellung. “Wer arbeiten will, findet Arbeit”.  “Leistung entscheidet”. “Glück ist etwas, das von Dingen und Menschen um mich herum abhängt”. “Ich habe Einfluss darauf, wie mein Leben verläuft.”
Und heute? Ich habe mich die Tage mit einem Freund darüber unterhalten, wie falsch wir doch lagen mir unseren Einstellungen gewisse Dinge betreffend. So ist es zum Beispiel nicht so, dass Leistung entscheidend dafür ist, ob man einen tollen Job bekommt oder gefördert wird. Auch findet man nicht unbedingt Arbeit, selbst wenn man das ganz doll will. Und Glück hängt nur von mir ab. Das Leben ist nicht planbar, es lebt Dich, statt dass Du es leben kannst. Das Leben ist genauso unbeständig wie das Wetter im April. Man weiß morgens einfach nicht, ob nachmittags die Sonne scheint oder es in Strömen regnet.

Warum bekommen wir als Kinder all diese “falschen” Einstellungen gelehrt? Eckhart v. Hirschhausen fordert in seinen Vorträgen immer wieder, dass ein neues Schulfach in unsere Schulen integriert werden müsse. Ein Fach über Glück und Gesundheit. Laut Hirschhausen könnte den Schülern darin ein gutes Verhältnis zu sich und ihrem Körper gelehrt werden. Sie könnten lernen, was wirklich wichtig ist im Leben. Sie könnten schon da herausfinden, was sie berührt, was sie gerne tun und welche Bedürfnisse sie haben. Wieviel einfacher wäre das Leben für sie…wahrscheinlich würde es Therapeuten nahezu überflüssig machen.

Stattdessen vegetieren wir jahrelang vor uns hin. Folgen falschen Erwartungen und haben nicht einmal Zeit, über sich und das, was man will, nachzudenken. Denn wir müssen ja Leistung bringen. Von morgens bis abends im Büro und danach zuhause.

Ich weiß nicht, wer ich ohne all diese Einstellungen von früher bin. Eine romantische Idealistin? Eine Närrin? Oder eine Frau, die sich zum ersten Mal selbst spürt?

Und Du? Spürst Du Dich?

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