Warum wir alle Superhelden sind (und wie der Tag doch noch die Kurve kriegte)

Copyright by Dietmar Temps

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Machen wir uns nix vor: es wird immer wieder Zeiten geben, in denen wir den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen.  In denen wir Entscheidungen treffen bei denen wir uns nicht sicher sind ob sie richtig waren. Wir werden in Situationen geraten die uns an unsere Grenzen bringen.  Dann fließen Tränen die wir gar nicht weinen wollen und wir sagen Dinge, die wir gar nicht so meinen. Wir gehen unseren Freunden oder dem Partner auf den Sack weil wir sie mit unserem scheiß volljammern.
Aber am meisten gehen wir selbst uns auf den Sack weil wir uns unter Druck setzen und selbst bemitleiden. Geht´s dir schon wieder schlecht.  Heulst du schon wieder.  Angsthase. Rüpelnase. Du bist anstrengend.  Du bist schwach.  Hör auf schwach zu sein und streng dich gefälligst an. Sei stark. Denk positiv!  Stell dich doch nicht an. So schlimm ist das doch wirklich nicht!  Langweiler. Heulsuse. Jammerlappen.

Und dann diese Fragen,  auf die es sowieso keine Antwort gibt: Warum passiert mir das
Warum bin ich schon wieder krank. Warum kommen mir denn jetzt wieder die Tränen. Warum wieso und überhaupt weshalb ist das so wie es nunmal ist!?


Robert Betz sagte in seinem Vortrag “Willst Du normal sein oder glücklich” letzte Woche in Frankfurt dazu: Menschen wollen Dinge weg haben die sowieso schon da sind. Ich will keinen Krebs! Sagt die Patientin die gerade die Diagnose bekommen hat und es nicht akzeptieren kann. (Er ist schon da) oder ich die sich nicht damit abfinden kann dass sie eine unheilbare Krankheit hat (sie ist schon da und geht auch nicht mehr weg). Und obwohl ich das weiß belästige ich mich selbst mit andauerndem Fragen. Dazu gesellen sich typische Pappenheimer wie: Was soll ich jetzt tun.  Und wie. Schaffe ich das? (Meistens liefert mein Hirn gleich die Antwort – nein, weil…blablabla). Das alles nockt mich erst richtig aus.
Warum – frag ich mich – machen wir uns selbst so fertig, unabhängig von der Situation..denn die macht uns erstmal nicht kaputt – es sind die Fragen, die unbeantwortet bleiben, uns aber verunsichern – es sind die Selbstverurteilungen, die wir wie Schrotgewehre auf unsere Selbstachtung abfeuern, uns allen Mut nehmen, den wir doch so dringend brauchen, um Situationen zu meistern. Es sind die Zweifel, die unser Vertrauen auffressen wie Ameisensäure – wo einst Inhalt war bleibt nur ein schwarzes, leeres Loch zurück, das uns Angst macht. Und wenn wir Angst haben, verurteilen wir uns dafür wiederum – ein Teufelskreis.

WO lassen wir uns eigentlich Raum für Gedanken, die unsere Zuversicht füttern? Wo sind die, die unseren Mut aufplustern, die uns groß werden lassen und stolz? Wo lassen wir Raum für den Superhelden in uns??? Ich wär gern Superheld meines Lebens. Ich würde mich gerne jeden Tag retten, ich hätte gerne übernatürliche Fähigkeiten, die mich zu außerordentlichen Dingen antreiben. Ich wäre gern so schnell wie der Blitz, damit selbst doofe Gedanken mich nicht erreichen können. Superhelden sind so stark, dass sie sogar ihre Schwächen zulassen können. Sie sehen immer toll aus und irgendwie gelingt ihnen auch alles. Und wenn ihnen mal etwas nicht gelingt, geben sie einfach nicht auf.

Ich bin überzeugt: In jedem von uns steckt ein Superheld!

Nur erkennen wir dieses unser Potential nicht. Wir laufen aneinander vorbei, mit Blick nach unten gesenkt, in unserer eigenen Welt. Dabei kann jeder von uns auch ein Superheld für jemand anderen sein. Denn das was in uns ist, kann für andere heilsam sein, sie stärken, ermutigen, ihnen unendlich viel Kraft geben. Aber in erster Linie sind wir der Superheld unseres eigenen Lebens. Wir sind ein Meer aus unerkannten Superhelden, die sich dazu verdammen, ihr Dasein in schwarz-weißen Kostümen und langweiligen 8-20 Uhr Jobs zu fristen. Dabei steckt hinter dieser Fassade eigentlich jemand, der lieber bunte Kleider trägt und voller Talente ist, die es ihm erlauben würde, seine Träume zu leben. Was bedeutet es für euch, der Superheld in euerm eigenen Stück zu sein, alle Kräfte und Fähigkeiten zu besitzen die ihr euch wünscht? Alle Situationen heldenhaft zu meistern, alles Graue durch Buntheit zu ersetzen und Hindernisse mit Superkräften aus dem Weg zu räumen? Ist das nicht ein geiler Gedanke?

Denkt dran: Ihr seid nicht allein da draußen, von uns gibt es Millionen andere – Millionen andere Superhelden. Wenn ihr mal wieder jemanden gedankenversunken im Café sitzen seht, denkt an mich und schenkt diesem Menschen vielleicht ein Lächeln oder ein liebes Wort. Denn auch dieser ist ein Superheld. Ein Lächeln zwischen Superhelden, in dem eine unendliche Kraft steckt. Nur ein Lächeln kann das Herz von Flut zur Ebbe tragen, kanndas Funkeln in traurige Augen zurückbringen und Dein Herz und das des anderen nähren. In dem Moment lasst ihr den Superhelden in euch raus und rettet in erster Linie euch selbst.

Der Tag hat doch nochmal die Kurve gekriegt (sonst hätte ich ihm den Arsch versohlt)

Ich habe mich heute ganz schrecklich gefühlt. Ich hatte das Gefühl, nichts erreicht zu haben, mit meiner “Arbeit” an mir nichts bewirkt zu haben. Ich fühlte mich hilflos, zornig, orientierungslos, traurig, ängstlich. Ich wollte mich so nicht fühlen, ich wollte nicht depressiv sein und mich nicht länger bemitleiden, aber auch nicht verurteilen dafür dass ich das fühle. Aber der Tag hat doch noch die Kurve gekriegt.
Ich habe mich entschlossen, aus der Situation rauszugehen und bin an den Main gefahren. Ich saß eine ganze Weile auf einer Bank und habe das Wasser beobachtet. Wie der Wind kleine Wellen in es schlägt und wie sie sich wieder glätten. Ich habe den Möwen dabei zugesehen, wie sie ihre Bahnen ziehen – friedlich und mit sich im Einklang. Der Wind pfiff mir um die Ohren, aber ich spürte mich. Ich spürte das Leben, ich spürte meine Gefühle, die von Traurigkeit zu Friede wechselten, die sich aufwühlten und im nächsten Moment wieder in Stille übten.
Dann beschloss ich, in ein Café zu gehen, mich zu wärmen und zu sammeln. Ich ging bewusst in ein Café in dem ich noch nie zuvor war. Veränderung beginnt im Kleinen, auch wenn es nur ein neues Café ist statt dem altbewährtem, so kommt in uns das gleiche Gefühl auf, wie wenn wir große Veränderungen meistern. Ich genoss meinen Kaffee, hörte Musik und tippte den ersten Teil dieses Posts in mein Handy. Ich musste all diese Gedanken auf “Papier” bringen. Das MUSS ich. Jetzt. Für mein Seelenheil. Für den Frieden in mir. Für euch da draußen vielleicht auch :-). Wenn wir den Gefühlen und Gedanken in uns eine Plattform geben, werden sie in uns kleiner. Ob wir sie malen, singen oder schreiben ist egal – aber wir geben ihnen Ausdruck und das zählt. So können wir wenigstens für einen kleinen Moment in Frieden kommen, für einen kleinen Moment der Superheld unseres Lebens sein.

Geht doch mal in euch – lebt ihr wirklich das Leben, was ihr euch wünscht? Und wo unterdrückt ihr den Superhelden in euch? Vielleicht helfen schon kleine Veränderungen, um den Frieden in euch zu nähren. Und aus einem verkorksten Tag einen guten zu machen.

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