Wegen Liebe Gleichgewicht verlieren ist oft Teil von Leben in Gleichgewicht

Copyright by Candida.Performa/flickr.com

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Ich glaube, dass Wunden, die uns durch die Liebe vermeintlich zugefügt wurden, nur geheilt werden können durch die Liebe. Damit meine ich nicht das Überdecken des Schmerzes mit einem neuen Partner und neuen Gefühlen. Sie würden unser Leid nur noch mehr vergrößern. Es wäre als wenn wir eine Pflanze mit zuviel Wasser begießen – sie wird ertrinken, wenn sie zuvor bereits tief im Wasser stand. Es entspricht nicht dem natürlichen Kreislauf, alte Gefühle durch neue zu unterdrücken. Die vorhandenen Wunden reißen noch tiefer und es wird von mal zu mal immer schwerer, sie zu heilen.

Ich war auf diesem Irrweg der Liebe. All die Jahre. Ich war Meister darin, vor mir selbst wegzulaufen und mich in den Armen eines Mannes abzulenken, nur um mich meinen Abgründen nicht stellen zu müssen. Und so tun es viele Menschen, Tag für Tag, ein Leben lang, über Generationen hinweg. Manche ersetzen die Liebe hier und da mit Luxusgütern, unnötigen Dingen, die die Leere in unseren Herzen füllen sollen. Oder mit Verhaltensweisen, zumeist egoistischen und rücksichtslosen. Aber auch mit Arbeit. Oder Sorgen, die wir uns täglich immer wieder aufs Neue selbst kreieren, nur damit diese verdammte Leere gefüllt wird.

So wie ich einen Mann sogleich durch einen neuen ersetzte, um erst kein Gefühl der Leere aufkommen zu lassen, so erschreckend war am Ende die Wahrheit. Ich war gezwungen, meine Leere anzuschauen, in ihrer ganzen Tiefe und Schwärze. In ihrer ganzen Leere. Ich weiß noch, dass ich dort – im Herzen – nichts mehr vorfand von mir. Die Männer hatten alles von mir mitgenommen, mein Glück, meine Liebe und mein Lachen. Sie nahmen Träume mit und Sehnsüchte. Meinen Stolz und Selbstwert. Ich dachte, dies müsse so sein. Schließlich habe ich sie geliebt – so dachte ich zumindest. Heute weiß ich, dass ich mich belogen habe. Denn Selbstbetrug ist keine Liebe. Es ist Betrug – an mir und an ihm.

Aber ich möchte mich nicht verurteilen. Ich wusste es nicht besser. Heute weiß ich es besser. Heute kann ich auch die Momente sehen, die schön waren und die mich immer noch bereichern. Sie stehen für sich, unabhängig von den Schmerzen, die danach kamen. Unter allen sind es nur zwei, höchstens drei Männer, die ich geliebt habe oder zumindest dachte zu lieben, so wie es für mich in meinem unwachen Zustand möglich war. Und obwohl ich dies tat, habe ich mich an ihnen aufgerieben, an meiner eigenen Leere abgearbeitet, immer stärkere Verschleierungstaktiken benutzt, nur um ihr nicht ins Gesicht sehen zu müssen. Diese Fratze! Das war nicht mal das Schlimmste. Das Schlimmste war, dass ich mich darüber verändert habe, meine Wärme, mein Herz und meine Träume – ja meine Identität als Frau, all meine Weiblichkeit und Stärke verloren habe. Ich wurde egoistisch, kalt und kindlich. Und immer schwächer. Aber es war gut so. So  konnte ich aufwachen.

Die Wunden der Liebe heilen sich durch die Liebe. Die Liebe hat viele Gesichter. Sie zeigt sich heute in anderen Facetten, in anderen Farben und Formen als morgen oder übermorgen. Vielleicht ist sie heute der Sternenhimmel, der stolz unsere Welt zusammenhält. Oder die Rosenblüte, die sich bildhübsch entfaltet. Oder das Gefühl im Herzen während der Meditation. Morgen kann sie schon wieder anders aussehen und dennoch genauso erfüllend sein. Dies ist die Liebe, mit der mein Herz zu heilen begonnen hat. Und da ist auch keine Leere mehr. Nur ein Meer an Emotionen, reich und bunt und voll gefüllt mit neuen Träumen und Sehnsüchten. Manchmal nach dem tiefen inneren Frieden. Manchmal nach nur einem Kuss.

Ich habe keine Angst mehr vor der Liebe oder dass sie mich aus dem Gleichgewicht bringen könnte. Denn wie Ketut sagt – Wegen der Liebe das Gleichgewicht zu verlieren ist Teil des Lebens im Gleichgewicht.
Heute ist mein Herz wärmer und liebevoller als es jemals war. Sicher, manche Narben werden bleiben. Und das ist auch gut so. Und mein Herz? Es schlägt und pocht, es lebt. Bis irgendwann ein Mann in mein Leben tritt, mit dessen Herz es im gleichen Rythmus schlägt.

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