Wenn du mich nicht in meiner schlimmsten Phase ertragen kannst, dann verdienst du mich zur Hölle noch mal auch nicht in meiner besten.

Faith-hope-love Copyright God-C2-B4s-Child/flickr.com

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Ich habe heute einen sehr interessanten Artikel auf dem Blog myMONK.de gelesen. Tim, der Autor, beschäftigt sich darin mit all den negativen Gedanken und Glaubenssätzen, die wir seit unserer Kindheit mit uns herumschleppen. Die uns daran hindern, das Haus zu verlassen. Daran, zu uns zu stehen. Daran, zu leben.
Wir schämen uns – für unsere Eltern, für unsere Klamotten, die uns unsere Eltern aufzwingen oder Lebenseinstellungen, die sie in unser Hirn eintrichtern. Was bleibt sind destruktive Gedankenmuster. “Ich bin nicht gut genug”. “Ich bin nicht hübsch genug”. “Ich schaffe das nicht”. Wir schämen uns für das, was wir sind.

Ich weiß noch, wie das damals bei mir war. Ich schämte mich so sehr für meine Klamotten, für mein hässliches Pony, mein Übergewicht. Ich versuchte alles mit guter Leistung in der Schule und einer “immer lieben” Art auszugleichen. Ich ließ es über mich geschehen, als ich beklaut wurde. Ich wehrte mich nicht, als mir eine Mitschülerin eine Ohrfeige gab. Ich ließ es zu, dass ich gemobbt wurde. Meine Mutter und mein großer Bruder trugen erheblich dazu bei, dass ich mich dick und hässlich fand. Ich habe nie mit ihnen darüber gesprochen, dass mir ihre Hänseleien und Beleidigungen mehr zusetzten als alles andere. Doch selbst das war mir zu peinlich. Ich habe mich sogar geschämt, meine Meinung zu sagen und für mich einzustehen.

Ich hatte kein Recht dazu, ich selbst sein zu dürfen. Ich hatte kein Recht, geliebt zu werden – für was denn auch. Ich hatte ja nichts zu bieten. Mit mir konnte man sich nicht schmücken. Das habe ich gedacht. Das war meine Wahrheit.

Jetzt bin ich erwachsen. Und zum ersten Mal möchte ich nicht wegsehen. Ich möchte nicht mehr so tun, als ob. So tun, als wäre ich der und der, wie andere mich gerne hätten. Das ist alles sinnlos. Es führte in der Vergangenheit nur dazu, dass ich mich selbst weder kannte, noch mein Leben so gelebt habe wie ich es wollte. Indem ich vorgab, zu sein, wie andere wollten, war ich nicht mehr ich selbst. Ich war nicht in Frieden mit mir. Ich konnte weder meine positiven Eigenschaften ehren, noch wollte ich meine negativen sehen und annehmen.

Damit ist jetzt schluß.

5 Dinge, für die ich mich schäme:

  • Ich schäme mich dafür, keine Arbeit zu haben. Und auch dafür, krank zu sein.
  • Ich bin gar nicht so “nett und lieb” wie ich immer vorgebe zu sein. Ich bin auch ganz schön oft wütend, neidisch, eifersüchtig, genervt, egozentrisch. Nicht nur bei Leuten, die ich nicht leiden kann, sondern auch bei Freunden und Bekannten.
  • Ich habs zwar immer wieder versucht  – aber ey, Kritik ist scheiße – meine Klappe reiße ich trotzdem immer wieder unkontrolliert auf.
  • Mein Übergewicht kotzt mich an. Jeden Morgen schäme ich mich für meinen Körper – den dicke Bauch, die riesen Oberschenkel und der nicht mehr so schlanke Hals
  • Wenn ich schlechte Laune habe, kann ich mich selbst nicht mal ertragen.Für mein Gegenüber ist das oft ziemlich anstrengend, denn ich zeige meine Emotionen nicht nur offen, dazu ist mein Gesicht ein wahres Märchenbuch mit verzerrten Grimassen, wütenden Gebärden und unleidlichen, manchmal tödlichen Blicken.

Ich hoffe, dass die, die das lesen, mich nun nicht weniger mögen. Und wenn, dann habt ihr nur den halben Menschen gemocht. Das gehört aber leider auch zu mir.

Marilyn Monroe hat es einst am Treffendsten formuliert:

“Ich bin selbstsüchtig, ungeduldig und ein bisschen unsicher. Ich mache Fehler, ich kann mich nicht beherrschen und bin manchmal schwer zu ertragen. Aber wenn du mich nicht in meiner schlimmsten Phase ertragen kannst, dann verdienst du mich zur Hölle noch mal auch nicht in meiner besten.”

Und wenn es doch passiert, dass andere mich in meiner schlimmsten Phase nicht ertragen können – dann will wenigstens ich mich annehmen können, so wie ich bin.

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