Wenn ich mit der Leber lächeln möchte, dann lächel ich mit der Leber

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Zwischen Glück und Unglück liegt oft nur ein Atemzug. Ein Lächeln. Oder eine Entscheidung.
Es ist auch völlig okay, mal unglücklich zu sein. Wer hat das nicht, solche Tage, an denen man nichts sehen will von der Welt. Es ist okay, sich dann in seinem Schmerz zu suhlen, so richtig richtig unglücklich zu sein. Nur tue es bewusst. Nehme wahr, dass Du es jetzt gerade bist. Spüre den Schmerz und verdränge ihn nicht. Schlucke ihn nicht runter mit Essen oder Wein. Und werfe Dich nicht anderen in den Arm, sondern nehme Dich selbst in den Arm.
Immer glücklich sein, das kann man nicht schaffen. Das ist auch nicht der Sinn des Lebens. Das ist wie mit Licht und Schatten – ohne das eine gäbe es das andere nämlich nicht. Deshalb sind Auf und Abs im Leben auch völlig gewollt. Nur durch sie können wir lernen und wachsen. Es sind diese Herausforderungen, die uns an unsere Grenzen bringen und durch die es erst möglich ist, sie zu überwinden. Ja auch ich habe meine Herausforderungen, genauso wie ihr da draußen. Ich war kürzlich an einem Tag sehr traurig. Und zum ersten Mal wollte ich dieses Gefühl, das doch meines ist und aus einem guten Grund da ist, nicht weghaben. Ich habe mich auch nicht entschieden, jetzt doch wieder glücklich sein zu müssen. Ich habs einfach so sein lassen.

Ich habe mich vor den Spiegel gestellt, mir tief in die Augen geschaut und mich angelächelt. Dann habe ich mir einen Kuss zugeworfen, einen zärtlichen, ein wenig neckischen. Einer der aussagte: Ach Tanja, alles wird gut. Ich habe gelacht, geweint, ich war laut und dann wieder still. Und dann habe ich intuitiv ein Buch in die Hand genommen und habe mich rausgesetzt, in den Himmel geschaut und mich von der Musik mit dem Wind davontragen lassen. Das war so friedlich, genauso wie jetzt.. ich höre italienische Musik, vor meinem inneren Auge fahre ich durch die Toskana, durch kleine italienische Dörfer, der Wind weht mir um die Nase und küsst meine Wange. Und schon ist mein Unglücklichsein wie weggeblasen.

Es gibt kein Rezept: Tue das und Du bist glücklich. Manchmal finde auch ich den Zugang nicht, so zugeschüttet ist mein Herz mit Verpflichtungen und Selbstdruck. Und wenn der Kopf voll ist mit Sorgen und schlechten Gedanken, dann kann dort einfach kein Bild entstehen, dass uns zum Träumen verleiht. Dann ist quasi der Abfluss verstopft und muss erstmal geleert werden, damit was anderes nachfließen kann.

Als ich vor zwei Jahren anfing, mein Glück zu “suchen”, wusste ich gar nicht wo ich mit der Suche anfangen sollte. Jaaa hieß es dann – Du musst natürlich IN DIR selbst anfangen. In mir selbst?? Ja WO denn? Ziemlich blöde Aussage, wenn man überhaupt keinen Bezug zu seinem Inneren mehr hat.
Inzwischen weiß ich, dass Glück und Unglück nur in uns selbst entsteht. Durch unser Denken, unsere Bewertungen halten wir etwas für schlecht oder gut. Durch unsere Erfahrungen, die uns Wunden zufügten, geraten wir immer wieder in ähnliche Situationen. Wir sehen uns immer wieder in den gleichen Streitigkeiten und hören uns die immer gleichen Glaubenssätze sagen. Und so wie wir täglich das Drehbuch für unser eigenes Drama schreiben, so können wir daraus auch eine Liebesgeschichte machen. Wir selbst sind der Schlüssel, um den Schatz zu unserem ureigenen Glück zu finden.
Aber das ist gar nicht so leicht, nicht? Jemand, der todunglücklich ist, hat gar keinen Blick für das Schöne. Jemand, der nie anders dachte wie jetzt, kann nicht sofort “umdenken”. Das erwartet auch niemand, jeder hat sein eigenes Tempo. 

Was in akuten Situationen hilft, sind ganz kleine Kleinigkeiten. Wie das Buch, das mich tief berührt hat,das ich gerade lese. Oder die Musik, die ich gerade höre. Das Zusammensein mit den lieben Menschen am gestrigen Abend. Klar, man muss sie TUN, diese kleinen Dinge, die nicht von allein in unser Leben kommen. Sie werden uns nicht auf dem Silbertablett geliefert. Was für uns Glück bedeutet, ist nicht auf einmal da. Das braucht Zeit und das Fühlen, was mir Freude macht, was mir gut tut. Ihr erinnert euch vielleicht an die Geschichte von dem Mönch, der immer wieder zu Gott betete: Bitte bitte lieber Gott, lass mich im Lotto gewinnen. Er betete Jahre über Jahre das Gleiche. Irgendwann platzte Gott der Kragen und er rief ihm zu: Dann füll endlich einen Lottoschein aus!
Manchmal kommt einem das Glück zugeflogen. Zum Beispiel wenn wir uns verlieben. Oder etwas erleben, was wir nicht “geplant” haben. Aber wenn das gerade nicht da ist, sollen wir dann deswegen resignieren und uns weiterhin in unserem Unglück suhlen? NEIN. Denn wir können uns gute Gefühle auch bewusst ins Leben holen. Ohne Erwartungen, aber mit dem Gefühl – das habe ich schon so lange nicht mehr gemacht, dabei mag ich das doch so, dabei kann ich mich entspannen, gut fühlen, lächeln, lieben, anschmiegen, dabei kann ich “heilen”. Und manchmal ist es ein kurzes Gespräch mit einem lieben Menschen, das uns ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Dafür muss man aber auch diesen Menschen anrufen oder sich mit ihm treffen. (Und bitte, lasst diese besonderen Momente mit anderen dann nicht zur Mülleimer-Stunde werden, das vergiftet jede Beziehung)

Das nenne ich Eigenverantwortung. Warum sich nicht das Glück selbst holen, wenn es nunmal gerade nicht von alleine kommt? Raus aus dem Opferdasein und rein ins Leben – mit all seinen Höhen und Tiefen, aber auch der Freiheit, uns so fühlen zu dürfen wie wir wollen. Und wenn ich mit meiner Leber lächeln möchte, dann lächel ich mit der Leber. Denn wir dürfen eins nie vergessen: Im Leben ist ALLES möglich. Einfach alles. 

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