Wenn wir nichts aus dem Leben machen, macht das Leben halt was aus uns

Copyright by doniree walker/flickr.com

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In meinem Flur hängt so ein Abreißkalender von Robert Betz, mit Zitaten für jeden Tag, die uns aufrütteln, zum Nachdenken anregen, uns in unserem Leben weiterbringen sollen.
Gestern, 03. Mai 2014 stand da folgendes Zitat:
“Viele Menschen wachen am Morgen auf und machen es wie ein Vogel, der morgens auf einem Ast sitzt, sich am Kopf kratzt und denkt: “Mist, heute muss ich schon wieder singen! Was soll ich nur für ein Lied singen?” Sie denken: “Heute muss ich schon wieder leben!” 

Soll ich euch was sagen? Dieses Zitat hat mir ganz schön zugesetzt. Ich stehe davor und lesees nochmal und nochmal und nochmal. Schüttele mit dem Kopf, verziehe das Gesicht zu einer runzligen Grimasse. Ernst, nachdenklich. Ich fühle mich ertappt. Verdammt, er meint mich damit. Scheiße.

Über das Zitat nachdenkend gehe ich gedankenversunkend zur Kaffeemaschine und gieße mir – wie jeden Morgen – erstmal einen großen Kaffee ein. “Und jetzt?” Ich fühle mich aufgefordert, zu handeln. So kann ich das doch nicht stehen lassen! Ein bisschen wütend bin ich, so ertappt worden zu sein.

Wir haben an jedem Tag die Chance, unser Leben auf ein neues Fundament zu stellen. Dass ich hier genauso strauchele und genauso planlos bin, das ist menschlich. Es ist quatsch, sich wegen solch einen Zitats schuldig zu fühlen. Aber manchmal ist so ein hartes Aufrütteln notwendig, um aus seiner alltäglichen Starre zu kommen, mir der wir unsere Arbeit verrichten, einkaufen, unsere Wohnung sauber halten und unsere Kinder versorgen. Was hat das eigentlich mit Leben zu tun?

Wenn wir nichts aus dem Leben machen, macht das Leben halt was aus uns. Das heißt nicht, dass das Leben planbar ist. Das Leben ist wie der Wind – er weht wohin er will. Wir können höchstens Bäume, Sträucher, Blumen pflanzen, um uns ein wenig vor ihm zu schützen. Aber wenn er unglücklich dreht, erwischt er uns dennoch – also ist es fast unsinnig, gegen ihn arbeiten zu wollen. So können wir doch gleich unsere Nase in den Wind halten und uns daran erfreuen, dass wir das Leben spüren.

Heute darf ich leben. Ich darf atmen. Ich darf lächeln. Ich darf mich ärgern und dann wieder lieben. Ich darf mich in meinem kleinen Kosmos wohl fühlen oder die Tür aufschließen und in die Welt hinaustreten. Das tolle ist, dass ich jetzt die Möglichkeit habe, mir mein Leben so aufzustellen, wie ich es möchte. Ich bin nicht mehr gefangen in alten Fesseln. Kein Chef geht mir mehr auf den Sack. Meine Arbeit ödet mich nicht mehr an. Und ich muss meine Werte nicht länger begraben, sondern darf sie hochhängen wie eine Fahne und mit ihnen voranschreiten. ich darf mich entwickeln und das Beste: Ich darf so sein wie ich bin, weil genau das meinen Erfolg ausmacht.

Es ist gar nicht so schwer, was aus seinem Leben zu machen.

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