Wertschätzung – oder wie Konflikte einen das Leben lehren

Copyright by Andrea Adante/flickr.com

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Mutig ist, wer es riskiert, auch mal unangenehm zu sein, um nach seinen Werten zu leben.
In den letzten Tagen beschäftige ich mich viel mit dem Thema Wertschätzung. Wertschätzung, die ich mir selbst entgegenbringe, die andere Menschen mir entgegenbringen und die ich im Leben erfahre – oder eben nicht. Wenn man als Kind nie Wertschätzung erlebt hat und einem nichts anderes entgegenschlug als Kritik an Persönlichkeit und Fähigkeiten, der hat nie gelernt, sich selbst wertschätzend zu begegnen. Nicht nur, dass ich dieses Wort nicht wirklich kannte, ich konnte ihm auch keinen Inhalt geben. Ich dachte, wenn ich nur anderen Wertschätzung entgegenbringe, würde ich gut durchs Leben kommen. Doch im Gegenteil, wer nur danach schaut, dass es anderen gut geht, verliert sich selbst völlig aus den Augen.
Ein toller Coach hat mit mir Anfang diesen Jahres meine Werte erarbeitet. Unabhängigkeit und Freiheit gehören ebenso dazu wie ein herzliches Miteinander. Manchmal muss man riskieren, in Unfrieden mit jemanden zu kommen, um für sich einzustehen und nach seinen Werten zu leben. Das heißt nicht, dass Streit schön ist, wer will das schon. Aber manchmal ist es nötig, um sich selbst klar darüber zu werden, wie man leben möchte – und dann auch danach zu leben.

Mir ist es wichtig, ein freies, selbstbestimmtes Leben zu führen, in dem mir niemand sagt, dass ich etwas tun MUSS. Ich entscheide frei und danach, was mir wichtig ist.
Früher wäre ich wahrscheinlich weinend zusammengebrochen angesichts der Ablehnung, die mir entgegenkam. Heute spüre ich eine Kraft in mir, die mir zeigt, dass das so richtig ist, für mich und das was mir wichtig ist, einzustehen. Deshalb bin ich nicht traurig, auch nicht sauer auf den anderen. Früher wäre ich sauer gewesen, tagelang hätte ich mich in meinem Groll gewälzt. Heute ist da irgendwie eine innere Ruhe. Ist das vielleicht “Wertschätzung”? Fühlt sie sich so an? Oder vielleicht “Selbstliebe”? Ich kann die Welt nicht retten, ich kann nur mich selbst retten. Es ist nicht möglich, alle Konflikte zu verhindern, mit denen wir im Leben konfrontiert werden. 

Authentisch zu sein ist mir auch sehr wichtig. Mich nicht verstellen müssen und so akzeptiert zu werden wie ich bin – ist für mich ein Teil von Liebe und Selbstliebe. Ich kann nicht Liebe propagieren, wenn ich mich selbst gleichzeitig verdrehe. Dass ich damit vielleicht jemandem auf den Schlips trete und das nicht allen Milliarden Menschen auf dieser Welt gefällt, wie ich manchmal bin, das ist dann einfach so. Mir passt auch so vieles nicht. Aber ich erwarte nicht, dass der andere sich für mich verdreht.

Wertschätzung. Bedeutet Wertschätzung also auch, dem anderen die Freiheit zu geben, so zu sein wie er ist? Auch wenn ich nicht damit einverstanden bin, nicht mit seiner Meinung konform gehe? Ich denke so ist es, so schwer wie einem das im ersten Moment erstmal fällt. Wenn wir uns immer nach dem ausrichten, was andere über uns denken, biegen wir uns mal nach rechts, mal nach links und wieder zurück – wie ein Fähnchen im Wind. Es allen recht machen? Das geht nicht! Und das will ich auch nicht mehr. Denn das ist so anstrengend! Und man verliert sich dabei immer mehr selbst. Bin ich dann noch ICH, wenn ich mir nicht zugestehe, ICH zu sein? Bin ich dann nicht eher eine schlechte Kopie von anderen? Dieser Gedanke macht mich jetzt traurig.

Wer mit Gewalt groß geworden ist, der hat es nicht gelernt, für sich einzustehen. Der hat immerzu Angst. Angst, dass wenn man seine Meinung sagt, mit Kälte und verbaler Gewalt bestraft wird. Deshalb tun mir Worte noch mehr weh als es Schläge je könnten. Worte können so zerstörerisch sein und einmal gesagtes kann man nicht zurücknehmen. Und ich war verletzt. Aber Worte sind nicht alles. Und manchmal ist es einfach besser, nicht weiter zu reden sondern zu gehen und die Wolken erst einmal vorbeiziehen zu lassen. Ich mache mir bewusst: Die Meinung der anderen ist nicht meine Angelegenheit. Ich kann nur bei mir bleiben und mir erstmal klar werden, wie ich zu alldem stehe. Damit zeige ich mir selbst: Ich achte meine Werte, ich schätze meine Person und ich mache mich nicht mehr klein – das hilft nämlich niemandem.

Gerade schaue ich auf eine meiner Visionboards für das Jahr 2014. Dort steht: Ich will netter werden zu mir selbst. Ich glaube, das Ziel habe ich ganz gut erreicht.

Peace.

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